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Profis sind doch die besseren Amateure

Berlin hat — Sie werden das mitbekommen haben — seit ein paar Wochen endlich eine Sehenswürdigkeit. Das Unternehmen Axel Springer und die „Bild“-Zeitung haben der Stadt ein „neues Wahrzeichen“ geschenkt: die Skulptur „Balanceakt“ des Bildhauers Stephan Balkenhol, ein Mauerläufer. (Die Skulptur, nicht der Bildhauer.)

Jedenfalls hat die „Bild“-Zeitung das Aufsehen erregende Kunstwerk allein seit seiner Enthüllung vor knapp zwei Monaten mit ungefähr zwanzig Artikeln gewürdigt, in denen es vor allem immer wieder um einen großen Leser-Wettbewerb ging: Der „Bild“-Leser, der das beste Foto von der Skulptur knippse und einsende, habe die Chance, „reich“ zu werden (also 5000 Euro zu gewinnen). Die „professionellen BILD-Fotografen“ gaben den Lesern sogar praktische Tipps.

Gestern kürte das Blatt endlich den Sieger. Er heißt Thiemo Napierski (31) und freute sich: „So was nennt man wohl einen Glücksschuss“. Auf einem Foto sieht man, wie „Bild“-Vize Jörg Quoos dem „gelernten Kfz-Mechaniker“ gratuliert.

Man hört natürlich nicht, was die beiden so reden, und ob Quoos zu dem glücklichen Gewinner sowas sagt wie: „Na sehnSe, und jetzt jammernSe mal nicht mehr so über die schlechten ‚Bild‘-Honorare, ich hab doch gleich gesagt, dass wir da was machen können.“

Denn der Mauerläufer war nicht das erste Foto von Napierski, das in „Bild“ abgedruckt wurde. Der „gelernte KFZ-Mechaniker“ arbeitet seit einiger Zeit häufig als Fotograf für das Blatt:

Aber aus irgendeinem Grund fand „Bild“ das nicht erwähnenswert.