Lizenz zum Von-Tuten-und-Blasen-keine-Ahnung-haben

Manche Artikel beginnen mit Warnhinweisen, die vor viel mehr Texten stehen sollten:

Vorsicht Spoiler… Eingefleischte „007“-Fans sollten jetzt besser aufhören zu lesen.

Die Website des Kölner „Express“ ist da einer ganz heißen Sache auf der Spur:

Screenshot Titelzeile express.de - Spektakuläre Geheimpläne Hört Daniel Craig wirklich so als James Bond auf?

Denn angeblich sickerte bereits die Handlung der nächsten James Bond-Folge durch. Und die spektakulären Geheimpläne, die die „New York Post“ veröffentlicht, haben es in sich.

Denn angeblich soll Daniel Craig als 007 im nächsten Film nicht nur seine Lizenz zum Töten an den Nagel hängen, er heiratet auch.

Solche „angeblichen“ Enthüllung von „spektakulären Geheimplänen“ gehören zur James-Bond-Folklore wie geschüttelte Martinis, skrupellose Bösewichte und die Worte „Mein Name ist Bond, James Bond!“: Vor jedem neuen Film erscheinen jede Menge Artikel über „angebliche“ Titel, die Handlung, Darsteller und Interpreten des Titelsongs, die sich im Nachhinein als Quatsch herausstellen — oder vielleicht, will man in der Welt der Agenten bleiben, als gezielte Desinformationskampagnen der Filmproduzenten, um bereits vorab für möglichst viel Aufmerksamkeit zu sorgen.

Aber nehmen wir mal an, die anonyme Quelle, die die „New York Post“ da zitiert, hätte Recht. Dann lassen wir express.de einfach mal weiter enthüllen:

Auch wer die zukünftige Frau Bond ist, will der Insider wissen: Die schöne Léa Seydoux alias „Dr. Madeleine Swann“, die der Superspion in der letzten Folge „Spectre“ in letzter Sekunde gerettet hatte. Sowas verbindet natürlich — auch wenn Bond bisher die vielen schönen Frauen, die er retten konnte, nie ehelichte.

Und — und jetzt wird richtig gespoilert: Der Film soll kein Happy End haben. Denn: „Bonds Ehefrau wird umgebracht und 007 geht danach auf einen Rachefeldzug.“

Wenn das mit der Karriere bei express.de nicht mehr so läuft, stehen die Chancen auf eine Anschlussverwendung bei einem Geheimdienst allerdings schlecht, denn da sollte man natürlich wissen, mit wem man es zu tun hat: James Bond (also die Figur, die sich Ian Flemming 1953 ausgedacht hat und die seitdem in — je nach Zählweise — 24, 25, 26 oder 27 Filmen zu sehen war) war schon einmal verheiratet — und seine Frau Teresa „Tracy“ Bond wurde umgebracht. Im Roman „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ und in dessen Verfilmung.

Um das zu wissen, muss man nicht mal ein „eingefleischter ‚007‘-Fan“ sein — man muss nur den Artikel bei der „New York Post“, auf den sich express.de beruft, vollständig gelesen haben:

Ein Blog, Inverse.com, wies darauf hin, dass „Ian Fleming Bond in seinen Büchern ständig darüber nachdenken ließ, sich zur Ruhe zu setzen“ und „Sowohl in der Buch- als auch in der Filmversion von ‚Im Geheimdienst Ihrer Majestät‘ heiratet Bond Tracy Draco, nur damit sie im tragischen Finale des Films brutal von [Bonds Erzfeind] Blofeld ermordet wird.“ Draco wurde in dem Film von Diana Rigg gespielt — auch bekannt als Olenna Tyrell aus „Game of Thrones“.
(Übersetzung von uns.)

Erschütternd. Nicht rührend.