Legendäre Legenden

Ups, jetzt ist schon Donnerstagabend, und wir haben doch noch was Wichtiges für die beliebte Rubrik „Korrekturen“ der „Bild am Sonntag“!

In ihrem „Großen BamS-Report: So vergeudet der Staat unser Geld“ stehen viele alte Geschichten, die die „Bild“-Reporter im „Bild“-Archiv gefunden haben, unter anderem über die „Verschwendung von Steuergeldern für Krötentunnel und andere gutgemeinte Tierschutzprojekte“, die die „Bild am Sonntag“ „fast schon legendär“ nennt.

Mindestens eine davon ist sogar im eigentlichen Wortsinn legendär. Die hier:

In Nordrhein-Westfalen haben (verlassene) Feldhamsterbauten eine Zwei-Milliarden-Euro-Investition in ein Braunkohle-Kraftwerk verhindert.

Ein kleiner Satz, zu dem sich viel sagen ließe: Dass es nicht der deutsche Staat, sondern die EU war, die den Feldhamster 1992 unter Schutz stellte. Dass der Betreiber des geplanten Kraftwerkes in Grevenbroich-Neurath, die RWE-Power AG, das Gutachten selbst in Auftrag gegeben hat, das die Feldhamsterbauten entdeckte. Dass die Politiker, inklusive der Grünen, sich einig waren, dass die Feldhamster auf Flächen in der Umgebung ausweichen könnten und deshalb den Bau nicht zum Scheitern bringen würden. Dass Zeitungen wie die „F.A.Z.“ die Geschichte von den Hamstern als Ursache des Streits um das Kraftwerk als „Legende“ bezeichneten.

Das alles ist sicher zu lang für den „Korrekturen“-Kasten in der „Bild am Sonntag“. Wir schlagen deshalb folgende Kurzversion vor: Feldhamster haben schon deshalb den Bau des Braunkohle-Kraftwerkes nicht verhindert, weil es gebaut wird.