Keine Recherche für die Tonne

Manchmal reicht eine E-Mail, an die man irgendwie gekommen ist, und schon hat man seine Story. Da braucht’s dann nicht mal mehr Recherche. Der Inhalt der Mail ist so „bizarr“, dass man einfach nur in die Tasten hämmern muss — und schwups steht der Artikel:

Bei diesen „Kloregeln“ geht es genau genommen um die Ausstattung der Männertoiletten. Autorin Karina Mößbauer schreibt:

Das Verteidigungsministerium fand es nötig, diese Frage detailliert zu klären: Was genau gehört auf eine Herren-Toilette der Bundeswehr?

Die Antwort lautete unter anderem, dass auch Hygienebehälter auf Männertoiletten gehören. Nicht nur, aber auch deswegen schickte das Verteidigungsministerium, so Mößbauer, bereits im November „Anweisungen zur ‚Ausstattung von Herren-Toiletten‘ an die Außenstellen der Bundeswehr“:

Tatsächlich habe es vermehrt „Anfragen bezüglich der Art und Weise der Ausstattung“ gegeben. Offenbar wurden ausgerechnet Hygienebehälter nachgefragt, wie man sie von der Damentoilette kennt …

Die „Bild“-Bundestags-Korrespondentin findet das ziemlich „irre“ …

Irre, mit was Behörden sich manchmal befassen.

… und „bizarr“:

Bizarr: Empfohlen werden ähnliche Systeme wie die auf den Damen-Toiletten, konkret auch die „Bereitstellung von Hygienebeuteln“ und „Anbringung von Halterungen für Hygienebeutel“.

Und warum das Ganze? Das kann Karina Mößbauer auch nicht klären. Der Grund dafür steht ja aber auch nicht in der E-Mail, auf die sie sich beruft. Und selber herausfinden? Neee …

Zu welchem Zweck genau die Hygienebeutel und eigenen Entsorgungsbehälter auf Herrentoiletten nötig sind, lässt die E-Mail des Verteidigungsministeriums übrigens offen …

Weil uns diese „irre“, „bizarre“ Geschichte nicht losgelassen hat, haben wir unsere besten Rechercheure beauftragt. Und die sind auf die geniale Idee gekommen, bei Google mal nach „Hygienebehälter Herrentoilette“ zu suchen. Siehe da, gleich der erste Treffer: die „Initiative für Hygienebehälter in Herrentoiletten“ des Bundesverbands Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.

Diese Initiative will Männern, die an Harninkontinenz leiden, den Alltag erleichtern. Das diese häufig Einlagen tragen müssen, die sie diskret und sauber entsorgen können sollen, fordert die Initiative die Bereitstellung von Hygienebehältern auf Männertoiletten.

Auf Nachfrage bestätigte uns das Verteidigungsministerium, dass der Grund für die Vorgabe mit den Hygienebehältern bei der Bundeswehr das Thema „Harninkontinenz bei Männern“ sei. Eine Sprecherin des Ministerium verwies auf die „Technischen Regeln für Arbeitsstätten Sanitärräume ASR A4.1“. Unter Punkt „5.4 Ausstattung“ steht:

In von Männern genutzten Toilettenräumen ist mindestens ein Hygienebehälter mit Deckel in einer gekennzeichneten Toilettenzelle bereitzustellen.

Diese Regeln, die Karina Mößbauer so „bizarr“ findet, gelten nicht nur für die Bundeswehr, sondern auch für alle anderen Arbeitgeber in Deutschland, zum Beispiel „Siemens“, „Audi“, „Lidl“ oder „Axel Springer“.

Mit Dank an Dennis S. für den Hinweis!