Aus Fremden Aliens machen

Unter den Leuten, die von Donald Trumps diskriminierendem Einreiseverbot für Muslime betroffen sind, sind auch bekannte Wissenschaftler, Politiker, Popstars, Schauspieler, Sportler. Mo Farah schien zum Beispiel dazuzugehören. Der Brite, geboren in Somalias Hauptstadt Mogadischu, ist Leichtathlet. Er hat bereits viermal Gold bei den Olympischen Spielen gewonnen, Weltmeisterschaften gewonnen, Europameisterschaften gewonnen.

Farah lebt seit sechs Jahren in den USA, aktuell ist er im Trainingslager in Äthiopien. Und weil er natürlich irgendwann wieder zurück zu seiner Familie will, machte er sich gestern Sorgen. Schließlich gehört Somalia (neben Iran, dem Irak, dem Jemen, Libyen, dem Sudan und Syrien) zu den sieben Ländern, deren Bürger nach der „Executive Order“ von US-Präsident Trump für 90 Tage nicht in die USA reisen dürfen. Mo Farah veröffentlichte zu dem Thema einen Facebook-Post. Und daraus machte Bild.de wiederum diesen Artikel:

Im Text steht:

Für Farah (lebt in Portland/Oregon) ein Unding. Der britische 5000- und 10.000-m-Olympiasieger von London und Rio de Janeiro bei Facebook: „Am 1. Januar dieses Jahres hat mich ihre Majestät die Königin zu einem Ritter des Königreichs geschlagen. Am 27. Januar scheint mich Präsident Donald Trump zu einem Alien gemacht zu haben.“

Farahs Kritik an Trump kann man gut verstehen. Aber „zu einem Alien gemacht“ ist ja schon eine bemerkenswerte Formulierung. Mal nachsehen, was der Sportler wortwörtlich bei Facebook geschrieben hat

Hier, direkt im ersten Absatz:

On 1st January this year, Her Majesty The Queen made me a Knight of the Realm. On 27th January, President Donald Trump seems to have made me an alien.

Klar, liebe Bild.de-Linguisten, „alien“ kann in bestimmten Fällen durchaus „Alien“ heißen. In der Regel heißt es allerdings „Ausländer“ oder „Fremder“ oder „Fremdling“. Genauso wie damals, als ihr vor neun Jahren meintet, dass ein Ku-Klux-Klan-Aktivist in Barack Obama einen „Außerirdischen“ sieht.

Die Sportnachrichten-Agentur „sid“ hat Mo Farahs „alien“ ebenfalls mit „Alien“ übersetzt. Und so taucht die „sid“-Meldung mitsamt der „Alien“-Aussage zum Beispiel bei „Zeit Online“ und bei freiepresse.de auf. Die „Stuttgarter Zeitung“ schreibt hingegen, dass Farah meint, von „Präsident Donald Trump anscheinend zum Fremden gemacht“ worden zu sein.

Mo Farah wird nach dem Trainingslager in Äthiopien übrigens wieder in die USA reisen können. Trumps Einreiseverbot gilt für ihn nicht.

Mit Dank an Frank B. für den Hinweis!