Alfred Draxlers 84 Cent zu den „Zwangsgebühren“

Alfred Draxler hat eine Meinung. Immer wieder und zu vielen Themen. Diese Woche hat der „Sport Bild“-Chefredakteur eine Meinung zu „ARD“, „ZDF“ und der Vergabe der Übertragungsrechte für Olympia. Bei sportbild.de fordert er:

In der gedruckten „Sport Bild“ ist er etwas zurückhaltender:

Dass die Olympischen Winter- und Sommerspiele 2018 bis 2024 nicht, wie bisher, live bei den öffentlich-rechtlichen TV-Sendern zu sehen sein werden, sondern bei „Eurosport“, nutzt Draxler für eine Abrechnung mit „ARD“, „ZDF“ und den „17,50-Euro-GEZ-Zwangsgebühren“:

Als Sport-Fan frage ich mich auf der anderen Seite aber mehr und mehr, warum man mir unverändert die 17,50-Euro-GEZ-Zwangsgebühr abverlangt.

Dass es die GEZ seit vier Jahren nicht mehr gibt — geschenkt.

Was Alfred Draxler seinen Lesern nicht verrät: Welcher Anteil des monatlichen Rundfunkbeitrags von 17,50 Euro überhaupt in die TV-Sportberichterstattung fließt. Nehmen wir als Beispiel die „ARD“, die mit 12,37 Euro den größeren Part dieser Summe bekommt. Davon gehen 8,41 Euro an die „ARD“-Landesrundfunkanstalten wie WDR und NDR, und 3,96 Euro an die „‚ARD‘-Gemeinschaftsaufgaben“, zu denen auch „Das Erste“ zählt. Bei den Landesrundfunkanstalten sind 14 Cent für Sport vorgesehen, beim „Ersten“ 70 Cent. Insgesamt also 84 Cent pro Monat (PDF). Zusammen mit dem „ZDF“-Anteil dürfte die Sportberichterstattung jeden Gebührenzahler monatlich knapp einen Euro kosten. Wohlgemerkt: für Sport allgemein auf allen „ARD“-Sendern und im „ZDF“, nicht nur für die Olympischen Spiele im „Ersten“ und „Zweiten““.

Das ist also der Grund, warum der „Sport Bild“-Chef gegen die „Zwangsgebühren“ der Öffentlich-Rechtlichen wettert: ein Bruchteil von einem Euro pro Monat.

Das einzige inhaltliche Argument, das Draxler in seinem Kommentar zum seiner Meinung nach zu hohen Rundfunkbeitrag bringt:

Schon immer ärgere ich mich zum Beispiel darüber, dass ARD und ZDF bei Olympischen Spielen beide in Mannschaftsstärke angerückt sind und sich täglich mit der Berichterstattung abwechselten. Ein Tag Arbeit, ein Tag frei! Das nenne ich Gebühren-Verschwendung!

Nun kann man es sicher kritisch sehen, dass zwei Sender zweimal den gleichen großen Aufwand betreiben, um über dieselbe Sportveranstaltung zu berichten. Mit „Ein Tag Arbeit, ein Tag frei!“ liegt Intensiv-Rechercheur Alfred Draxler aber schlicht daneben. Wenn beispielsweise „Das Erste“ in diesem Sommer Olympia aus Rio im TV übertragen hat, hat das „ZDF“ im Internet viele kommentierte Livestreams angeboten — und umgekehrt:

Was kümmern einen schon Fakten, wenn man eine richtig starke Meinung hat?

Nachtrag, 7. Dezember: In der aktuellen „Sport Bild“-Ausgabe hat sich Alfred Draxler für seinen Irrtum entschuldigt: