„Das war noch nicht die Pointe“

Diese Sachsen. Ziehen zu Tausenden mit Deutschlandfahnen durch Dresden und nennen sich „PEGIDA“. Schreien ausländerfeindliche Parolen in Clausnitz, wenn ein Bus mit Geflüchteten ankommt. Und jetzt sollen die Jugendlichen in Sachsen auch noch so blöd sein, dass sie Facebook als glaubwürdigstes Medium ansehen, wenn es um Nachrichten geht:

Jan Böhmermann und sein Team vom „Neo Magazin Royale“ haben die Geschichte vergangene Woche in ihrer Sendung ebenfalls aufgegriffen:

Böhmermann sagte dazu (ab Minute 4:56):

Übrigens, laut einer Studie der Mark-Zuckerberg-Facebook-Akademie ist Facebook, ist Facebook, das ist wirklich wahr, laut einer wissenschaftlichen Studie ist Facebook für junge Sachsen das glaubwürdigste Nachrichtenmedium. Das war noch nicht die Pointe, meine Damen und Herren, das war erst das Setup.

Facebook ist für junge Sachsen laut einer wissenschaftlichen Studie das glaubwürdigste Medium. Die meisten jungen Sachsen wollen deswegen 2017 Jan Leyk als Bundeskanzler haben, und Bundespräsident soll „Minusmensch“ werden. […]

Nachrichten sind bei Facebook für junge Sachsen am glaubwürdigsten. Nachrichten, oder wie man in Sachsen sagt: „LÜGEN!“ Facebook ist für junge Sachsen das glaubwürdigste Nachrichtenmedium, allerdings nur weil sie nicht wissen, dass Facebook einem Juden gehört.

Grundlage für diese nächste Schreckensmeldung über die Sachsen ist die Studie „Mediennutzung und Medienkompetenzen jugendlicher Migranten in Sachsen“ von Lutz Hagen, Susan Schenk, Rebecca Renatus und Claudia Seifert. Beziehungsweise ein Teil von ihr. Hagen hatte neulich beim „Zeitungskongress 2016“ einzelne Ergebnisse daraus präsentiert und dabei auch „Folie 29“ („Die glaubwürdigsten Medien für junge Sachsen“) gezeigt, die anschließend eine beachtliche Social-Media-Karriere hinlegte.

Das Forscherteam hatte Jugendlichen aus Sachsen unter anderem folgende Frage gestellt:

Stell dir einmal vor, auf der Welt ist eine schlimme Naturkatastrophe passiert. Die Berichte in den Medien unterscheiden sich aber, so dass Du nicht weißt, was wirklich passiert ist. Welchem Medium würdest Du dabei am ehesten vertrauen? Du kannst maximal zwei Medien ankreuzen! Bitte notiere auch, an welchen Sender, welche Zeitung oder welche Internetseite Du dabei genau gedacht hast. Du kannst deutsche und fremdsprachige Medien nennen!

Die Antwort der meisten Jugendlichen darauf war allerdings nicht, dass sie in einer solchen Situation am ehesten Facebook vertrauen. Das hat das Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden inzwischen auch in einer Pressemitteilung klargestellt (PDF):

Tatsächlich liegen Soziale Netzwerke auf Platz fünf — hinter Fernsehen, gedruckten Tageszeitungen/Wochenzeitungen, Radio und Onlinenachrichtenseiten. Das zeigt Tabelle 93 der Studie:


(Hervorhebung durch uns.)

Die 83,3 Prozent für Facebook, die auf Hagens „Folie 29“ auftauchen, stammen hingegen aus Tabelle 94. In der geht es um „Medien konkret“. Soll heißen: Von den beispielsweise 35,9 Prozent der Jugendlichen, die im Zweifelsfall dem Fernsehen vertrauen würden, haben 31 Prozent die „ARD“ als konkretes Medium genannt. Und von den 7,1 Prozent der Jugendlichen, die Sozialen Netzwerken bei widersprüchlichen Meldungen vertrauen, haben eben 83,3 Prozent Facebook genannt:


(Hervorhebung durch uns.)

In absoluten Zahlen heißt das übrigens: Von den insgesamt 2117 befragten Jugendlichen aus Sachsen haben gerade mal 181 angegeben, dass sie bei unterschiedlichen Medienberichten den Sozialen Netzwerken am meisten trauen. Und von diesen 181 haben 151 Facebook genannt.