Stasi-Spitzel Lafontaine?

Es gibt viele Möglichkeiten, auf die Nachricht hinzuweisen, dass in der neuen Fraktion der Linkspartei im Bundestag nach Angaben der Stasi-Unterlagen-Beauftragen Oskar Lafontaine / Stasi-Spitzel in Links-Fraktionmindestens sieben bekannte Stasi-Informanten sitzen sollen. Diese hier links, die Bild.de gewählt hat, ist vermutlich die missverständlichste. Oskar Lafontaine ist bislang nicht öffentlich verdächtigt worden, Stasi-Spitzel gewesen zu sein, nicht einmal von „Bild“.

Vielleicht hat die Art der Formulierung etwas damit zu tun, dass „Bild“ und Lafontaine gerade in vielerlei Hinsicht miteinander im Clinch liegen. Heute veröffentlicht „Bild“ auf Seite 2 folgende Gegendarstellung des Politikers:

In der „BILD-Zeitung“ vom 16. Juli 2005 (S. 2), wurde unter der Überschrift „Warum fliegt der Osten so auf Lafontaine?“ behauptet, ich hätte nach dem Fall der Mauer gesagt, dass „wir alles dafür tun müssen, um zu verhindern, dass die Wiedervereinigung stattfindet“. Das ist falsch. Richtig ist, dass ich im Dezember 1989 aus Anlass des Zuzugs zahlreicher Übersiedler aus der DDR in das damalige Bundesgebiet geäußert habe, „dass wir alles tun müssen, um zu verhindern, dass die Wiedervereinigung auf bundesdeutschem Boden“ — gemeint war Westdeutschland — „stattfindet“.

Damit finden sich in der Berliner „Bild“-Ausgabe heute gleich zwei der ungeliebten Gegendarstellungen. Nach Angaben von Juristen, die mit der Zeitung in ähnlichen Fällen zu tun hatten, versucht „Bild“ solche Veröffentlichungen wann immer möglich auf den Samstag zu legen. An diesem Tag ist die Auflage der Zeitung niedriger als unter der Woche.

Mit Dank an Michael K.