25 lesenswerte Medienreflexionen zu #Rio2016

Die Olympischen Spiele 2016 in Rio nähern sich dem Ende. Zeit, ein medienkritisches Resümee zu ziehen. Wie sind die Medien mit dem internationalen Großevent umgegangen? Wie reagiert die Sportberichterstattung auf wachsende Kommerzialisierung, IOC-Einflussnahme und ständigen Dopingverdacht? Und wie steht es um die Themen Gleichberechtigung und Sexismus?

Wir haben 25 Artikel zusammengestellt, die einen kritischen Blick auf Zusammenspiel und Wechselwirkung von Medien und Sport werfen.

1. Medien-Porno bei Olympia
(tagesspiegel.de, Martin Einsiedler)
Das Bild vom entstellten Unterschenkel des Turners Samir Ait Said ging um die Welt – häufiger und expliziter, als es einem lieb sein kann, findet Martin Einsiedler im „Tagesspiegel“: „Es wäre gut, wenn die Lieferanten solcher Bilder verantwortungsvoller mit ihrem Material umgehen, ohne dabei zensorisch zu sein. Den verunglückten Sprung von Said hätte man auch zeigen können, ohne die Grenzen des Erträglichen zu überschreiten. So aber wirkte der Umgang mit dem Unfall vonseiten großer Teile der Medien wie ein billiger Porno: unästhetisch und auf den maximalen Effekt getrimmt.“

2. „Eine Beleidigung der Athleten“
(fr-online.de, Sebastian Moll)
Der US-Sender NBC erntet heftige Kritik für seine Aufbereitung der Olympischen Spiele als Reality-Show. Dahinter stecke ein hartes Marktkalkül: Die Mehrheit der Olympiabetrachter in den USA sei weiblich – die Männer würden sich weiter ihre Baseball- und Footballübertragungen anschauen. Um möglichst viel Werbung und „human interest“ einbauen zu können, würden die Wettkämpfe von Rio in den USA auch niemals Live gezeigt.

3. Das teuerste Nischenprogramm aller Zeiten
(faz.net, Frank Lübberding)
Der Journalist Frank Lübberding ächzt in seiner TV-Olympia-Kritik über die Rund-um-die Uhr-Berichterstattung von ARD und ZDF. Zu viel, zu pausenlos, zu hektisch. Und wer schaut eigentlich das Nachtprogramm? Lübberding schlägt einen Reset vor: „Da wäre es durchaus eine interessante Überlegung, wenn bei den nächsten Spielen ein Nischensender wie Eurosport aus Tokio berichten würde. Es wäre ein wirkungsvoller Beitrag, um die Olympischen Spiele von ihrem derzeitigen Gigantismus zu befreien, der in dieser Form der grenzenlosen Berichterstattung seinen öffentlich-rechtlichen Ausdruck findet.“

4. Olympische Medien-Spiele: Innovatives Storytelling zu #Rio2016
(medium.com, Frederic Huwendiek)
In Zeiten von Olympischen Spielen drehen die Medien besonders hochtourig und versuchen mit kreativen Innovationen zu glänzen. Frederic Huwendiek berichtet in seinem fortlaufend aktualisierten Beitrag über spannende neue Ansätze des Storytellings, von 360-Grad-Video bis Roboterjournalismus.

5. So berichtet man über Frauen bei Olympia, ohne ein Sexist zu sein
(vice.com/de)
Die unpassenden Bemerkungen des ARD-Reportes Carsten Sostmeier bei seiner Reitkommentierung, für die er sich später entschuldigt hat, dienen der „Vice“ sich mit sexistischer Sportberichterstattung während der olympischen Spiele zu befassen. Das Problem beginnt schon bei der Aufmerksamkeitsverteilung der Medien: „Über Sportlerinnen wird bei Weitem nicht so viel berichtet wie über Männer. In deutschen Medien liegt der Anteil meist unter 15 Prozent. Schlimm genug, dass diese Berichterstattung dann auch noch sexistische Kommentare, unangemessene Interviewfragen und Artikel über die körperliche Erscheinung beinhaltet.“

6. Olympia 2016: Leibwächter für ARD-Journalisten
(spiegel.de)
Der ARD-Journalist Hajo Seppelt hat in den letzten zwei Jahren ein staatlich organisiertes Dopingsystem in Russland aufgedeckt und wurde immer wieder bedroht. Bei Olympia in Rio steht der Investigativreporter nach „Spiegel“-Informationen unter Personenschutz: An seiner Seite bewegen sich, vermutlich auf Veranlassung des NDR, immer zwei Leibwächter, die teils zur brasilianischen Spezialeinheit „Batalhão de Operações Policiais Especiais“ gehören, einer Elitetruppe der Militärpolizei von Rio de Janeiro.

7. Wir glotzen Olympia
(zeit.de, Stefanie Sippel, Tobias Potratz, Fabian Scheler & Oliver Fritsch)
Die „Zeit“ hat eine launige Typologie der Olympia-Zuschauer zusammengestellt. Man unterteilt in „Ottonormalsportgucker“, „Olympia-Junkies“, „Schlaaand-Fans“, „Fußballnerds“ und „Aussteiger“.

8. Rio verteidigt die olympische Scheinwelt
(derstandard.at, Susann Kreutzmann)
In Rio de Janeiro werde alles getan, um eine heile olympische Welt vorzugaukeln, findet Susann Kreutzmann. Doch die Realität lasse sich nur zeitweilig verbergen, nicht ganz aussperren. Das würden selbst die Athleten erfahren.

9. Olympia im TV: Blech für Bommes
(spiegel.de, Dirk Brichzi)
Nach elf Tagen Olympia und elf Tagen öffentlich-rechtlicher Sportberichterstattung verleiht Dirk Brichzi seine persönlichen Medaillen für Programmplanung, Ideenreichtum, Kommentatoren, Co-Kommentatoren, Gäste und TV-Maskottchen. Er verteilt Gold und… Blech.

10. Einfach mal abschalten
(tagesspiegel.de, Anett Selle)
Einfach mal abschalten, schlägt Anett Selle im „Tagesspiegel“ vor. Olympia verkomme zum Imagefilm des Internationalen Olympischen Komitees. Mit seinen TV-Rechten verdiene das IOC etwa drei Viertel der fünf Milliarden Euro, die es zwischen 2013 und 2016 nach eigenen Angaben eigenommen haben wird. Und so kommt sie zum Schluss: „Das gibt dem IOC Macht, dabei kann es die Rechte nur deshalb teuer verkaufen, weil viele Zuschauer bei Olympia einschalten. Wem also nicht passt, was das IOC aus Olympia macht, kann sich wehren: Und einfach mal abschalten.“

11. Dilemma: Olympia-Freude vs. Doping
(ndr.de, Hendrick Maaßen, Video, 4:14 Min.)
Bei den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro geht es nicht nur um sportliche Leistungen und um die Athleten – es geht auch um Doping. „Zapp“ hat sich mit dem Problem beschäftigt und unter anderem den Medienwissenschaftler Thomas Horky dazu befragt. Olympische Spiele seien laut Horky auch immer Unterhaltungsfernsehen. Und darum gelte es für die Kommentatoren und Journalisten, den Spagat zwischen Unterhaltung und angebrachter Kritik auszutarieren.

12. Andy Murray gibt einem Reporter die passende Antwort: Auch Frauen gewinnen Medaillen
(bento.de, Maria Wölfle)
Maria Wölfle berichtet für „Bento“ über Fälle von Sexismus in der Sportberichterstattung, ob im Video-Interview, auf Medienseiten oder Twitter.

13. Stimmungslos
(begleitschreiben.net, Gregor Keuschnig)
Bei Gregor Keuschnig mag keine rechte Olympia-Stimmung aufkommen, was an den Fernsehmoderatoren und der medialen Inszenierung liege: „Wie man sich bei ARD und ZDF den medienkompatiblen Sportler vorstellt, konnte man am Sonntag bei einer Schaltung zum »Deutschen Haus« sehen. Elf Medaillengewinner saßen da nebeneinander und nun wollte der Reporter von jedem wissen, wie sie gefeiert haben, was es zu trinken gab, wie die Nachtruhe war, usw. Die Szenerie war an Peinlichkeit kaum zu überbieten; die Sportler, noch gezeichnet von den Feiern, als Pönitenten. Und dann wundert man sich, wenn keine Olympia-Stimmung vor dem Fernseher aufkommt.“

14. Das sind die 6 großartigsten Grafiken zu #Rio2016
(medium.com, Frederic Huwendiek)
Mit Datenvisualisierung lassen sich tolle Dinge umsetzen. Frederic Huwendiek hat die nationalen und internationalen Medien durchgescannt und stellt einige gelungene Grafiken zum Thema Olympische Spiele vor.

15. Olympia: So glanzlos senden ARD und ZDF
(maz-online.de, Imre Grimm)
„Schnarchige Betulichkeit wie zu Zeiten von Schwarz-Weiß-Fernsehen und Randsport-Reporter, die sich durch machohafte Ausfälle disqualifizieren. Plus: Probleme mit der Glaubwürdigkeit.“ So empfindet Medienredakteur Imre Grimm die Sport-Berichterstattung von ARD und ZDF zu Olympia.

16. Reden bringt Silber, Plappern bringt Gold
(zeit.de, Mely Kiyak)
„Zeit“-Kolumnistin Mely Kiyak über die Berichterstattung in Zeiten der Olympischen Spiele: „Schweigende Athleten passen nicht ins Olympia-Fernsehen. Große Brüste und Hirnaussetzer hingegen schon.“

17. Sportjournalismus: Dopingberichterstattung im Abseits
(fachjournalist.de, Michael Schaffrath)
Die Sportfakultät der TU München hat eine Onlinebefragung durchgeführt, an der sich 850 Sportjournalisten beteiligt haben. Die Daten flossen in die Studie „Wissen und Einstellung von Sportjournalisten in Deutschland zum Thema Doping“ ein. Das Fazit in Sachen Dopingberichterstattung: „Die Befragung zeigt, dass eine gegenüber dem Einzelsportler kritische und trotzdem Strukturen reflektierende Dopingberichterstattung nicht am Wollen der Sportjournalisten scheitert, sondern – neben defizitären Ressourcen – auch am Nicht-Können der Medienmitarbeiter liegt.“

18. Der Hashtag #CoverTheAthlete prangert sexistische Berichterstattung über Athletinnen an.
(jetzt.de, Christina Waechter)
Die Kampagne „Cover The Athlete“ will ein Bewusstsein für Sexismus in der Sportberichterstattung schaffen und Journalisten für das Thema sensibilisieren. Schließlich werden weibliche Athleten, wie Christina Waechter berichtet, überdurchschnittlich oft von Reportern zu Dingen befragt, die mit ihrer sportlichen Leistung nichts zu tun haben: zu ihrem Privatleben oder ihrer Erscheinung. Waechter berichtet über die Kampagne, erzählt von einer Studie, die belegt, wie unterschiedlich über Sportler und Sportlerinnen berichtet wird und stellt einige Beispielfälle vor.

19. Heuchelei 24/7?
(tagesspiegel.de, Joachim Huber)
Am letzten Tag der Olympischen Spiele in Rio will das IOC einen eigenen globalen Fernsehkanal starten. 443 Millionen Euro hat man dafür bereitgestellt. Joachim Huber fragt im „Tagesspiegel“, was das Ganze soll: „Was wird da laufen, was soll erreicht werden? Propaganda Tag und Nacht, die Weißwaschung des Sports, der längst in der Grauzone agiert? Oder der Spagat, wie ihn ARD und ZDF Tag für Tag zelebrieren – Jubel und Jammer?“

20. Wie berichtet man über Sport, wenn man ihm misstraut?
(sueddeutsche.de, Josef Kelnberger)
Die Berichterstattung von ARD und ZDF aus Rio schwankt zwischen Begeisterung und Skepsis, stellt Josef Kelnberger fest. Die Öffentlich-Rechtlichen würden die moralische Empörung der Deutschen ernstnehmen und trotzdem alles tun, um Quote zu machen. Die moralische Empörung über die Auswüchse Olympias sei nirgendwo so stark wie in Deutschland: „eine Gegenreaktion auf die Überhöhung Olympias als Hort des Schönen und Guten“.

21. Nie ist Fernsehen so deutsch wie bei Olympia
(tagesspiegel.de, Katrin Schulze)
Katrin Schulze stört sich in ihrer Kolumne daran, dass sich ARD und ZDF bei Olympia auf Wettbewerbe mit deutscher Teilnahme konzentrieren würden: „Klar, eine Olympia-Übertragung kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Doch indem sich ARD und ZDF nur auf Deutschland fokussieren, machen sie sich und die Sportwelt unnötig klein.“

22. Diese drei Instagram-Kampagnen verdienen Gold
(horizont.net, Philipp John)
Philipp John kennt sich als Chef einer „Influencer-Marketing-Plattform“ (es geht um Product Placement bei Youtubern) bestens mit Werbung aus und hat ein besonders Auge auf Social-Media-Kampagnen. In seinem Beitrag bei „Horizont“ stellt er drei Kampagnen auf Instagram vor, die aus seiner Sicht Gold verdient hätten.

23. Markenschutz unter den Olympischen Ringen: Übertreibt das IOC?
(netzpiloten.de, Dev Gangjee)
Dr. Dev S. Gangjee ist Professor an der Rechtsfakultät der Universität Oxford und beschäftigt sich dort unter anderem mit Fragen des geistigen Eigentums und Markenrecht. In seinem Artikel hinterfragt er die olympischen Markenschutzrichtlinien: „Das IOC ist berechtigt, seine Marke gegen schädliche Nutzung zu schützen – solche, die Verwirrung erzeugt oder ungewünschte Assoziationen hervorruft. Trotzdem wird Olympia durch ein weltweites öffentliches Wohlwollen erhalten bleiben. Die Symbolik der Spiele existiert im Geist der Öffentlichkeit. Wenn das IOC all dieses Wohlwollen beansprucht, während es auch als Zensor wirkt, geht es zu weit.“

24. Zu wenige Frauen an den Mikros
(tagesspiegel.de, Gaby Papenburg)
Sport-Kommentatorinnen haben es nicht leicht im deutschen Fernsehen. Die olympischen Spiele in Rio belegen diese traurige Tatsache wie Gaby Papenburg mit Zahlen belegt. Unter den 169 für ARD und ZDF tätigen Journalisten seien nur wenige Frauen (33, um genau zu sein). Höre man genauer hin, dann würden das Sportgeschehen nur drei Frauen kommentieren.

25. ITV schaltet für eine Stunde alle Sender ab
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
Am Morgen des 27. Augusts – also am Samstag in einer Woche – schaltet der britische TV-Konzern ITV alle sieben Fernsehsender für eine Stunde ab. Dahinter stecke in gewisser Art und Weise ein olympischer Gedanke, wie Thomas Lückerath auf „dwdl.de“ schreibt.