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Der Schnarch-Skandal von Lübeck

Es ist der Stoff, aus dem Boulevardzeitungs-Träume sind. Ein Häftling bricht für einen Tag aus dem Gefängnis aus, klettert einfach über den Zaun, und die Aufseherin merkt nichts, weil sie ein Buch liest, aber ein anderer Häftling fotografiert alles und informiert exklusiv die „Bild“-Zeitung. Die macht daraus natürlich eine riesige Geschichte über den „Skandal-Knast von Lübeck“ und den „Schnarch-Skandal in der Justizvollzugsanstalt Lübeck-Lauerhof“:

Hier haut ein Knacki ab ... und hier sitzt die Aufseherin in der Sonne

Noch schöner sind solche Knüller natürlich, wenn sie auch stimmen. Also, wenigstens ein bißchen. Wenn sich nicht hinterher herausstellt, dass der angebliche „Knacki“ schon im Juli vorigen Jahres entlassen worden sei. Und dass sich die Aufseherin schon seit zweieinhalb Jahren in Altersteilzeit befinde. Und dass der abgebildete Zaun gar kein „Sicherheitszaun“ („Bild“) sei, der das Ausbrechen von Gefangenen verhindern soll, sondern nur eine harmlose Begrenzung. Und dass es für Gefangene im offenen Vollzugsbereich, um den es geht, gar keinen Sinn ergebe, über einen Zaun zu klettern, weil sie einfach durch die Tür gehen könnten. Und dass dieser Bereich mit dem Hochsicherheitsbereich, aus dem im vergangenen Jahr spektakulär der Schwerverbrecher Christian Bogner flüchtete, wie „Bild“ bedeutungsvoll erwähnt, nicht das Geringste zu tun habe.

All das haben aber Recherchen der „Lübecker Nachrichten“ (LN) ergeben, die in der heutigen Ausgabe der LN nachzulesen sind. Ein Sprecher des Justizministeriums wird darin mit dem schlichten Satz zitiert: „Die Bilder sind ein Fake.“

Die „Lübecker Nachrichten“ gehören übrigens fast zur Hälfte zur Axel Springer AG, in der auch „Bild“ erscheint. Ihr Artikel endet mit dem Satz:

Die Bild-Zeitung wollte sich dazu gestern nicht äußern.

Vielen Dank an Carsten S. für den Hinweis!