Handball-Konter, Kalter Krieg, Fasten-App

1. Weltanschauung: Versenkt im Sehnsuchtsloch oder Kabinenpredigt für Eilenberger
(handball-world.com, Christian Ciemalla)
Der „ZEIT“-Kolumnist und Chefredakteur des „Philosophie Magazins“ Wolfram Eilenberger hat für einigen Wirbel gesorgt, als er in seiner Kolumne die deutsche Handball-Nationalmannschaft dem rechten Spektrum zuordnete. Sie bediene „eine kartoffeldeutsche Sehnsucht“. Der einzige Ausländer des Teams sei der aus Island stammende Trainer, was perfekt ins „nordisch-arisierte Bild“ passe. Vollends im Kolumnisten-Rausch verstieg er sich schließlich noch zu der Gaga-Aussage: „Wenn Fußball Merkel ist, ist Handball Petry.“ Der Chefredakteur der „Handball-World“ hat dem ZEIT-Kolumnisten nun geantwortet und die Schmähung Punkt für Punkt auseinandergenommen. Auch den Vorwurf der vielen deutschen Namen: „Schau mal in Euer Impressum und wiederhole Deine eigenen Worte „Alle Achtung! Das muss man 2016 in diesem Land erst einmal hinbekommen.“ Oder anders: Wenn Fußball Merkel ist, ist „Die Zeit“ Petry.“

2. Redet Russland den „Kalten Krieg“ herbei?
(fr-online.de, Victor Funk)
Der russische Premierministers Dmitri Medwedew soll auf der Münchner Sicherheitskonferenz die jetzige politische Situation als „Kalten Krieg“ bezeichnet oder diesen herbeigeredet haben. Diesen Eindruck muss man zumindest gewinnen, wenn man einer dpa-Meldung und den Äußerungen von ARD und ZDF Glauben schenkt. Dass man Medwedews Äußerung auch ganz anders sehen kann bzw. muss, wird nach der Lektüre dieses Artikels klar, an dessen Ende steht: „Ohne feste Freund-Feind-Bilder, ohne die fertige Story vor der Recherche würden wir, Journalisten, der Welt, so wie sie ist, vielleicht etwas näher kommen. Nur: Die Komplexität würde nicht in knackige schnelle Nachrichten und nicht in den klassischen 2-Minuten-TV-Bericht hineinpassen.“

3. Focus Online: Journalistischer Untergang des Abendlandes
(mobilegeeks.de, Carsten Drees )
Am Sonntag konnte man auf „Focus Online“ von einer sich dramatisch anhörenden Zahl lesen. Die Schlagzeile lautete: „Vertraulicher Lagebericht: Diebstahl und Körperverletzung: 78.000 Polizeieinsätze in Asylunterkünften in NRW in 2015“. Natürlich ist dies Wasser auf die Mühlen der Asyl-Gegner und Flüchtlings-Phobiker, doch die monströse Zahl ist böswillig falsch. „90 Prozent dieser 78.000 Fälle betreffen Präsenz, Aufklärung und Information und haben weder mit Diebstahl noch mit Körperverletzung auch nur im Ansatz irgendwas zu tun!“ Autor Drees sieht in der Vorgehensweise des „Focus“ ein „kalkuliertes
Brandstiften“.

4. Warum sich die „Welt“ von Günther Lachmann trennt
(welt.de, Stefan Aust)
„Welt“-Chef Stefan Aust meldet sich zur Causa AfD/Lachmann zu Wort. In dem Beitrag „in eigener Sache“ begründet er, warum man sich von dem Redakteur getrennt habe, der sich auf eine sehr zweifelhafte Weise mit Politikern der AfD eingelassen habe. Das Verhalten Lachmanns habe nicht nur der „Welt“ sondern der gesamten Publizistik geschadet. Von Seiten der „Welt“ wolle man den Vorgang nicht nur aufklären und offenlegen, sondern Lachmanns Berichterstattung über die AfD nachträglich kritisch hinterfragen. Ein respektables Verhalten, obwohl man dies auch hätte früher machen können, wie einige vielleicht einwenden werden.

5. Netzneutralität: Wie es jetzt weitergeht
(netzpolitik.org, Thomas Lohninger)
Die Bundesnetzagentur hat am 12. Februar 2016 einen Workshop veranstaltet, in dem es um die Zukunft der Netzneutralität in Europa ging. Im neuen EU-Rechtsrahmen in der Telekom-Binnenmarkt-Verordnung fänden sich zum ersten Mal Regeln zur Netzneutralität, die den Regulierungsbehörden ermöglichen würden, gegen Provider vorzugehen, die „Wegegeld“ verlangen. Der Artikel arbeitet die zentralen Punkte der Debatte auf, an deren Ende stehen wird, welches Internet wir zukünftig in Europa haben werden.

6. Eine katholische Gemeinde will Fasten wieder hip machen – mit einer App
(ze.tt, Philip Buchen)
Die Fastenzeit hat begonnen, und die „Katholische junge Gemeinde“ (KjG) des Kölner Erzbistums wartet mit einer hippen Fasten-App auf. Statt 40 Tage Dauer-Verzicht auf Fleisch, Bier oder Zigaretten zu predigen, verfolge man einen anderen Ansatz. Die App vermittle eine Mischung aus Fitness, Spiritualität und Politik und würde u.a. Yoga-Übungen anbieten (Sonntags Ruhetag). Nun fehlen eigentlich nur noch Apps für´s Zölibat. Aber Stopp, die gibts ja schon. Sie heißen nur anders und bieten zum Ausgleich eines zölibatsbedingten Hormonüberhangs allerlei Bewegtbildmaterial von unkeusch handelnden Sündern und Sünderinnen.