Hunderatings, Samstagabendshow, Friedensgala

1. Der beißt nicht, der will nur trollen
(zeit.de, Eike Kühl)
Es klingt zunächst nur nach einer skurrilen Digital-Anekdote, wirft aber grundsätzliche Copyright-Fragen auf. Ein US-Student bewertet und betextet ihm zugesandte Hundebilder auf Twitter. Die Idee ist ein Riesenerfolg und gewinnt binnen drei Monaten mehr als 180.000 Follower. Dies ruft einen missgünstigen User auf den Plan, der einige Bilder als angeblich gestohlen meldet, was zur zeitweiligen Sperre des Accounts führt. Dies zeige eine grundsätzliche Lücke im System auf: Mit Hilfe von falschen Lösch-Anträgen könnten missliebige Twitterer temporär mundtot oder gänzlich lahmgelegt werden.

2. „Versteckte Kamera“ mit Gätjen: Lass es eine Parodie sein
(sueddeutsche.de, Hans Hoff)
TV-Kritiker Hans Hoff hat sich die Samstagabend-Show des ZDFs „Die Versteckte Kamera 2016“ angesehen und kommt angesichts des altbackenen, mehr als dreistündigen Fremdschäm-Opus zu dem Schluss: „Wer es Show nennt, dass man acht Verladefilme zeigt und erst eine Jury und am Schluss die Zuschauer über den besten Film abstimmen lässt, hat von Show keine Ahnung oder arbeitet beim ZDF, was ungefähr auf dasselbe hinausläuft.“ Zum Ende hin erzählt er von den beiden Momenten, für die sich die Fernsehqual dennoch gelohnt hätte. (Keine Momente, die ZDF und Sendung zu Ruhm und Ehre geraten würden, so viel sei an dieser Stelle verraten.)

3. 11 Slides, damit du am Stammtisch über “Digital 2016” mitreden kannst
(svenruoss.ch)
Der Schweizer Sven Ruoss macht auf den Report „Digital in 2016“ aufmerksam, der von einer Agentur für digitale Kommunikation herausgegeben wird. Angesichts der Fülle von 537 Slides bezeichnet er den Bericht zu Recht als „Datenschatz“. Aus dem Riesenangebot hat er elf Bildtafeln herausgepickt, bei denen es unter anderem um Online-Wachstum, Nutzerzahlen und die Entwicklung des mobilen Datenverkehrs geht. Das weitere Datenmaterial kann über die im Artikel aufgeführten Links abgerufen werden.

4. Operation Naked
(zdf.de)
Der als „elektrische Reporter“ bekannt gewordene Blogger und Videojournalist Mario Sixtus hat für das ZDF eine aufwändige Mockumentary (fiktionaler Dokumentarfilm) gedreht. In „Operation Naked“ geht es um die revolutionären Auswirkungen, die eine Datenbrille mit Gesichtserkennungs-Software auf unseren Alltag und auf unsere Gesellschaft haben könnte. Der mit vielen Promis aus den ZDF-Nachrichten- und Talk-Redaktionen gespickte Film wird nächste Woche ausgestrahlt, ist aber heute bereits in der Mediathek zu sehen.

5. Die Pretzell-Lachmann-Affäre: Kein Ruhmesblatt für die „Welt“ und die Medien (mit Stellungnahme n-tv.de)
(norberthaering.de)
Ende letzter Woche hat sich die „Welt“ von einem Redakteur getrennt. Der über die AfD berichtende und ihr politisch nahestehende Mann soll der Partei seine PR-Dienste angeboten haben. Unter Beibehaltung seiner Berichterstattung in der „Welt“ und monatlicher Entgegennahme einiger tausend Euro wohlgemerkt. Norbert Häring dröselt den von den Medien lange Zeit seltsam vernachlässigten Vorgang auf und kommt zu dem Schluss: „So wie es tatsächlich lief, war es nicht richtig. Das müssen wir noch üben.“

6. Och, schade: taz darf nicht zu „Cinema for Peace“
(blogs.taz.de, Martin Kaul)
Die „taz“ berichtet in ihrem Blog von einem unterhaltsamen Schwank um die sogenannte „Cinema for Peace Gala Berlin“. Die Veranstalter seien bei der Vorjahresveranstaltung massiv gegen kritische Berichterstattung vorgegangen. Von Aufforderungen zur Korrektur, Fristen und Anwaltsschreiben samt Unterlassungsansprüchen ist da die Rede. Für die Lektüre des Artikels samt verlinkter Hintergrundbeiträge sollte man Popcorn bereithalten: Mit dem „Tagesspiegel“ hätten die Anwälte zum Beispiel um die Bemerkung gerungen, es hätte an einer Stelle nach Kohl gerochen. Dieses Jahr sei der „taz“ die Akkreditierung zur Veranstaltung verweigert worden, was diese mit ihrem Blogbeitrag und einem herzlichen „Och schade“ quittiert.