Irgendwie malle

Mallorca ist eine der schönsten Mittelmeer-Inseln und „Bild“ manchmal sehr genau.

Im Juli beispielsweise hatte „Bild“ ausführlich über Boris Becker und „seine Elena“ berichtet. „Bild“ wusste alles, naja: fast alles über seine „Mallorca-Bekanntschaft“: Mit was für einem Autotyp welcher Farbe Becker mit ihr über die Mittelmeer-Insel fuhr und so weiter. Und als „die süße Russin“ Mallorca verlassen hatte, war „Bild“ ihr auf den Fersen, wusste in welchem Stadtteil welcher Stadt sie wohnt, wer im selben Haus einen Tiefgaragenplatz hat und was genau auf ihrem Klingelschild steht. Und anschließend wussten all das auch Millionen „Bild“-Leser.

Wenn allerdings nicht Boris Becker, sondern Oskar Lafontaine Urlaub macht und damit in die Schlagzeilen gerät, verschweigt „Bild“ urplötzlich (und anders als die „Die Welt“, die „Berliner Morgenpost“, das „Hamburger Abendblatt“ und viele, viele andere Medien) den Namen des Urlaubsortes und schreibt stattdessen merkwürdigerweise nur verschämt von „einer der schönsten Mittelmeer-Inseln“, „einer Mittelmeerinsel“ und „Mittelmeer-Finca“.

Aber Boris Becker ist ja auch kein ehemaliger „Bild“-Kolumnist.
 
Nachtrag, 27.8.2005:
Sorry, wir müssen uns korrigieren. Aber ja: Denn Boris Becker gehört doch, wie Lafontaine, zur Riege ehemaliger „Bild“-Kolumnisten. Nach seinem ersten Wimbledon-Sieg nämlich hatte ihn „Bild“ vier Jahre lang als Kolumnisten (angeblich für eine Jahresgage von rund einer Million Mark) verpflichtet gehabt. „Als Gegenleistung mußte der Gast-Autor etwa 20mal im Jahr Intimes aus seinem Leben zu Papier bringen lassen“, schrieb jedenfalls der „Spiegel“ im Jahr 1989. Da war nämlich Schluss mit Beckers Kolumnistentätigkeit. Unklar ist, ob Becker „Bild“ oder „Bild“ Becker den Vertrag kündigte. Fest steht nur, dass die Zusammenarbeit vorzeitig endete, nachdem Becker in einem Interview mit der Zeitschrift „Sports“ über „Bild“ gesagt hatte:

„Ich konnte mich mit der Art und Weise, wie die Geschichten erfinden und auch mit den Methoden, wie sie arbeiten, nicht identifizieren.“

Mit Dank an Lorenz L. fürs vage, aber gute Erinnerungsvermögen.