Die Frau beim Namen nennen

„Bild“ und Bild.de sind nun nicht gerade als Sprachrohre der Frauenrechtsbewegung und Anti-Sexismus-Kampagnen bekannt. Bei dem, was sich Fortuna Düsseldorfs Fußballer Kerem Demirbay vor knapp anderthalb Wochen geleistet hat, waren aber selbst die „Bild“-Medien empört:


Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus hatte Demirbay im Zweitligaspiel zwischen dem FSV Frankfurt und Fortuna Düsseldorf mit Gelb-Rot vom Platz geschickt. Daraufhin hatte der Fortuna-Profi gegen sie losgepöbelt: „Ich finde, Frauen haben im Männerfußball nichts zu suchen!“ Steinhaus hat das per Sonderbericht dem DFB gemeldet.

Demirbay entschuldigte sich am nächsten Tag per Telefon bei Bibiana Steinhaus und äußerte sich auch bei Instagram zum Vorfall: „Diesen Satz hätte ich niemals sagen dürfen, denn es entspricht auch nicht meinem Frauenbild.“ Sein Verein kündigte „eine empfindliche Geldstrafe“ an und verdonnerte Demirbay zum Pfeifen eines Mädchenfußballspiels.

Interessant, dass gerade „Bild“ und Bild.de sich über die „fiese“ „Macho-Attacke“ echauffieren — zwei Medien, die Bibiana Steinhaus nicht Bibiana Steinhaus nennen, sondern konsequent nur …






Das blüht dem Bibi-Pöbler

Er ärgerte sich am meisten darüber, dass Bibi sich überstimmen

Da wirkten Bibi und Freund Stefan

2014 machte Kiefer Bibi einen

Auch da spielte er auf Bibi Steinhaus an

Trainer Thomas Oral geht auf Bibi los

Das sind lediglich die Beispiele aus den Berichten zum erwähnten Spiel zwischen dem FSV Frankfurt und Fortuna Düsseldorf. Die „Bild“-„Bibi“-Tradition reicht aber schon viel länger zurück. Kaum ein Artikel über die Schiedsrichterin kommt ohne die Verniedlichung aus:

FSV-Trainer Tomas Oral diskutiert mit Bibi Steinhaus

FSV-Wut auf Bibi!

Nur Bibi Steinhaus hatte nicht gepfiffen

Fall 1: Bibi Steinhaus muss sich

Guardiolas Umarmung bei Bibi Steinhaus blieb


Klärende Worte: Bibi Steinhaus und Huub Stevens

Bei Bibi wird sogar der Knurrer zum Schnurrer.

Lasst Bibi auch ganz oben ran.

Herr Fandel, warum blockieren Sie Bibis Bundesliga-Aufstieg?

Typisch, Bibi: Sie klärt solche Sachen

Deshalb forder BILD: Lasst Bibi endlich in der Bundesliga pfeifen!

Schiri-Boss Herbert Fandel gilt nicht als Bibi-Freund

Bibi erkannte sofort, dass es ein

In der Nachspielzeit geht der Bayern-Trainer auf Bibi los

Bibi knallhart.

Geht es für Bibi jetzt ganz schnell?

Der frühere FIFA-Schiedsrichter (1994 bis 2004) hat sich für eine rasche Beförderung von Bibi ausgesprochen!

Geht es nach Schiri-Legende Urs Meier tanzen die Bundesliga-Stars bald nach Bibis Pfeife.

„Meine Mutter hat schon immer gesagt, ich hätte einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn“, sagte Bibi einmal.

Bibi hat auf dem Platz

Das Rampenlicht. Nicht Bibis Ding.

Bei der Zweitliga-Partie Kaiserslautern gegen Ingolstadt (3:0) pfeift Bibi einen Elfmeter

Ging Bibi damals auch so.

Erster Busen-Wischer von Peter Niedermeyer (30)! Bibi Steinhaus pfeift die Partie Hertha gegen Aachen (0:0).

Bibi guckt erst irritiert

Bibi im ZDF

Der Humor. Für Bibi bei ihrem Job

Auch weil Bibi Cottbus verhext

Wenn Bibi Steinhaus pfeift, gewannen die Löwen bisher nicht

Funkel kämpft heute auch gegen den Bibi-Fluch

Bannt Funkel heute den Bibi-Fluch?

Nicht bei Bibi & Uli.

Was flüsterte Hoeneß der schönen Bibi ins Ohr?

Tolle Stimmung an der Seitenlinie — die Liga-Motzkis Klopp, Lehmann & Co. sollten sich Bibi und Uli zum Vorbild nehmen.

Erstmals zeigte Bibi beim „30. Deutschen Sportpresse-Ball“ ihre neue Liebe.

Vergleicht man die Artikel über Steinhaus mit denen über ihre männlichen Kollegen, wird klar, wie penetrant „Bild“ und Bild.de sie sprachlich kleinhalten: Bundesligaschiedsrichter Jochen Drees ist nie „Jockel“ und sein Kollege Robert Hartmann nie „Robbe“. Aber Bibiana Steinhaus ist andauernd „Bibi“, als wäre sie kein Profi, sondern eine junge Hörspielhexe für Kinder zwischen vier und zehn Jahren.

Immerhin: Mit der „schönen Bibi“ haben es die „Bild“-Medien relativ schnell gelassen. Bei anderen Frauen, die beruflich mit dem Profifußball zu tun haben, konzentrieren sich die Redaktionen aber weiterhin fleißig aufs Aussehen. Da wäre zum Beispiel die „Sky“-Moderatorin Esther Sedlaczek:


Oder ihre „Sport1“-Kollegin Laura Wontorra:


Oder alle Fußballmoderatorinnen:

Auch Eva Carneiro ist nie die gute oder schlechte, erfolgreiche oder pfuschende Ärztin beim FC Chelsea, sondern stets:





„Frauen haben im Männerfußball nichts zu suchen“? Doch, schon, finden die „Bild“-Medien offenbar. Bibiana Steinhaus soll weiter pfeifen, Esther Sedlaczek und Laura Wontorra weiter moderieren, Eva Carneiro sich weiter um die Blessuren der Fußballer kümmern. Und „Bild“ wird weiter darüber berichten. Aber nur mit niedlichem Spitznamen und einer Reduzierung aufs Äußerliche.

Mit Dank an @deansimon27!