Der Canzler-Kandidat

Seit Barack Obama mit dem (von Bob dem Baumeister geklauten) Slogan „Yes we can!“ die US-Präsidentschaftswahlen gewonnen hat, sind diese drei Worte Allgemeingut geworden. Unzählige Trittbrettfahrer, Nachahmer und Mitläufer haben sich schon daran vergriffen und die Fälle, die ich in meinem extra zu diesem Zweck eingerichteten Blog „No You Can’t“ sammle, sind sicher nur die Spitze des Eisbergs.

Yes, he can Kanzler!

Dass dieses Plakat dennoch ein Fall für BILDblog für alle ist, hat einen einfachen Grund: Es ist Teil eines großen Missverständnisses, das seit dem gestrigen Wahlkampfauftakt der SPD durch die Medien geistert.

Wie es dazu kam, erklären am besten die, die dafür verantwortlich sind — die Macher der NDR-Satiresendung „Extra 3“:

Liebe Investigativ-Experten von Spiegel online, das hier ist mitnichten, wie Ihr sie nennt, die “Kampagne für Frank-Walter Steinmeier”. Und wir haben auch noch nichts davon gehört, dass die SPD jetzt Plakate im Copyshop herstellen lässt. Nein, das sind waschechte Plakate unserer Extra 3 Aktion “SPD-TV” mit Tobias Schlegl. Das nächste Mal sagen wir Euch vorher Bescheid - versprochen.

„Spiegel Online“ hatte ein Foto des Plakats nämlich zunächst mit den Worten untertitelt

Nicht nur mit dem Zitat „Yes, he can Kanzler!“ erinnert die Kampagne für Frank-Walter Steinmeier an den erfolgreichen Wahlkampf von US-Präsident Barack Obama. Auch für die Kommunikationsstrategie haben sich die Parteistrategen einiges bei den amerikanischen Demokraten abgeschaut.

dies aber im Laufe des Vormittags korrigiert und mit einem Hinweis auf die Korrektur versehen.

Im „Extra 3“-Blog wird aber auch noch auf einen Artikel bei „RP Online“ hingewiesen, der (bis vor wenigen Augenblicken) mit einem Foto des Fake-Plakats aufmachte …

Yes, he can Kanzler!

… und in dem es hieß:

Immerhin: Die jungen SPD-Mitglieder vor der Halle sind schon überzeugt. "Yes, he can Kanzler" steht auf deren Plakaten in Anspielung auf den US-Wahlkampf. Ein bisschen Obama hilft eben immer.

„Spiegel Online“ und „RP Online“ waren mit ihrer Annahme, dass es sich um offizielle SPD-Plakate handele, aber nicht alleine.

Der „Berliner Kurier“ schrieb:

Flügelkämpfe - das war gestern. Bei der SPD im Berliner "Tempodrom" ist Obama-Zeit: Ganz wie der US-Präsident lässt sich auch der Spitzenkandidat, Frank-Walter Steinmeier, auf einer runden Bühne in der Hallenmitte umjubeln, die Ehefrau Elke Büdenbender brav an seiner Seite. "Yes, he can Kanzler"steht auf den SPD-Plakaten.

N24 erzählte in einem Beitrag:

„Yes, he can Kanzler.“ Während draußen Unterstützer den Obama-Faktor beschwören, betreten drinnen FW Steinmeier und seine Frau das Podium.

Und die „Tagesschau“ sagte zwar nichts zu den Plakaten, schnitt sie aber so in einen Beitrag hinein, dass man sie für offizielle SPD-Plakate halten musste.

dpa waren die Plakate sogar eine eigene Meldung wert, die wir gerne in vollem Umfang zitieren:

(Zitat)

„Yes, he can Kanzler.“

(„Ja, er kann Kanzler“ – Aufschrift auf SPD-Plakaten zum Wahlkampfauftakt mit Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier am Sonntag in Berlin. Der Spruch ist eine Abwandlung des Wahlkampfmottos „Yes, we can“ von US-Präsident Barack Obama.)

Dass man nicht auf die Satire-Aktion reinfallen musste, beweist übrigens die „Stuttgarter Zeitung“, die heute in ihrer gedruckten Ausgabe schreibt:

Die Bühne kreisrund in der Mitte, drum herum jubelnde Genossen, draußen ein paar Spaßvögel, die von Frank-Walter Steinmeier behaupten: „Yes, he can Kanzler.“

Mit Dank an Höpp.

Nachtrag, 18:10 Uhr: Die „Extra 3“-Macher weisen uns darauf hin, dass auch „Der Freitag“ nicht auf die Satire hereingefallen ist. Der dortige Artikel erklärt außerdem ganz anschaulich, warum das hätte passieren können und warum es dann doch nicht passiert ist.