Völlig bekloppt

Schuld ist eigentlich Carola Frentzen. Die Rom-Korrespondentin der Deutschen Presseagentur (dpa) hatte nämlich zum 24. Juli eine launige Sommerloch-Meldung über „Gutes Benehmen in Badehose und Bikini“ an Italiens Stränden geschrieben: Frentzen hatte „eine Art ‚Knigge‘ für die Badegäste“ aufgetan, in dem von der italienischen Badeanstaltenvereinigung S.I.B. „zehn Strandgebote“ oder „Verhaltensregeln“ bzw. „Regeln des Anstands“ formliert worden waren. Die dpa-Frau hatte außerdem noch mit einem Benimm-Experten gesprochen. Und sie hatte nicht mit „Bild“ gerechnet.

Denn in „Bild“ sah die Sache drei Tage später so aus:

Von einem „Busen-Verbot“, einem „Bier-Verbot“ und einem „Bolz-Verbot“ war da plötzlich die Rede und anderen Sachen, die angeblich „verboten“ oder „nicht erlaubt“ seien.

Gestimmt hat das alles nicht. Zum einen handelt es sich bei dem Regelkatalog der S.I.B. um simple „suggerimenti“ (Vorschläge), wie auch der S.I.B.-Präsident Riccardo Borgo in einer unmittelbaren Reaktion auf die „Bild“-Veröffentlichung mitteilte (und auch die italienische Zeitung „Corriere della Sera“ berichtet). „Wir haben niemandem etwas verboten“, sagte Borgo hier wie dort. Außerdem sei „von keiner Seite her das Verbot ergangen, Bier zu trinken oder sich oben ohne aufzuhalten.“

Statt jedoch die eigene Falschmeldung zu korrigieren, entschied man sich bei „Bild“ für einen anderen Weg: „Bild“ ignorierte die (durch sie selbst notwendig gewordene) Richtigstellung, ließ lieber ihren Vatikan-Experten Andreas Englisch aus Rimini nochmals und nochmals über die „lange Verbotsliste“ schreiben — und nutzte die Gelegenheit, schnell noch die eine oder andere barbusige Frau zu zeigen…

Mit großem Dank an Salvatore B. sowie Patrick K., Robert G., Johannes H. und Roberto C. für den Hinweis und die spontanen Übersetzungshilfen!