Was hat „Bild“ da wieder angerichtet?

Ach ja, oder besser: Oh je, „Bild“ und die Wissenschaft (oder: „Wissenschaft“):

„Bild“ vom 6.7., Seite 1

Bevor wir uns um den hanebüchenen Unsinn Artikel in „Bild“ kümmern, fassen wir kurz zusammen, was „wir“ (sprich: die NASA) getan bzw. „angerichtet“ haben — was übrigens genau das war, was die NASA geplant hatte (und was im Vorfeld — aus Gründen, die nichts mit einer Gefährdung der Erde zu tun hatten — nicht unumstritten war): nämlich den Kometen Tempel 1 mit einem etwa 372 Kilogramm schweren Projektil zu beschießen, um so eine Auswurfwolke auszulösen, deren Analyse wissenschaftliche Erkenntnisse über den Aufbau von Kometen und damit möglicherweise über die Ursprünge unseres Sonnensystems bringen soll.


„Bild“ vom 6.7., Seite 12

Nun zu den größten Merkwürdigkeiten in „Bild“:

1. Der Komet, Tempel 1, „schießt“ nicht zurück, sein Beschuss hat lediglich, wie geplant, eine große Auswurfwolke ausgelöst!

2. Es weiß tatsächlich niemand genau, „was drinsteckt“ – Um das herauszufinden wurde der Komet schließlich beschossen!

3. Forscher „fürchten“ keine „Bakterien und rätselhafte Substanzen“ (vom ziemlich umstrittenen Astrobiologen Chandra Wickramasinghe eventuell abgesehen) — Im Gegenteil, Forscher hofften sogar, auf unbekannte Substanzen und organische Verbindungen.

4. Außerdem droht keine „Weltraumseuche wie im Kinofilm ‚Andromeda — tödlicher Staub aus dem All'“! (Der Film hat übrigens inhaltlich weniger mit der NASA-Mission gemein, als mit der „Bild“-Berichterstattung darüber, indem er immer wieder Realität mit Fiktion vermengt — allerdings wesentlich intelligenter als „Bild“.)

5. Und um auch noch die größten Paranoiker zu beruhigen: Autor Attilla Albert selbst schreibt im allerletzten Satz seines Textes:

Diese Kometen-Wolke wird es nie bis zur Erde schaffen. Die Entfernung (134 Mio. Kilometer) ist einfach zu groß.

Und Interessierte sollten sich, mal wieder, besser auf seriöse Quellen verlassen.

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.