Wo Menschenverachtung beginnt (Nachtrag)

Am 20. Juni hatte die „Süddeutsche Zeitung“ über den Prozess gegen den mittlerweile verurteilten Kindermörder Marc Hoffmann berichtet und „Bild“ in diesem Zusammenhang zu Recht Menschenverachtung vorgeworfen. Auch, weil „Bild“ Marc Hoffmann mehrfach als „fette Bestie“ bezeichnet hatte.

Inzwischen sieht es ganz so aus, als hätte man sich bei „Bild“ den Vorwurf zu Herzen genommen. Jedenfalls kommen die jüngsten Artikel in „Bild“ und auf Bild.de, die über die Verurteilung Hoffmanns berichten, ohne menschenverachtende Formulierungen aus.

Außerdem hat sich online ein Artikel verändert, der am 9. Juni bei „Bild“ und Bild.de erschienen war. Die Überschrift lautete damals:

Warum schützt der Richter die fette Bestie?

Mit Veröffentlichungsdatum 29. Juni heißt es jetzt bei Bild.de:

Warum schützt der Richter diesen Kindermörder?

Außerdem hieß es ursprünglich eingangs des Textes:

Er schnappte sich Levke (8) und Felix (8), mißbrauchte und ermordete die Kinder brutal – die fette Bestie Marc Hoffmann (31).

Online beginnt der Artikel nun folgendermaßen:

Er schnappte sich Levke (8) und Felix (8), mißbrauchte und ermordete die Kinder brutal – Kindermörder Marc Hoffmann (31).

Und dort, wo es früher hieß, „Die Bestie hatte gehofft, in eine geschlossene Anstalt zu kommen (…)“, steht online jetzt dies:

Der Mörder hatte gehofft in eine geschlossene Anstalt zu kommen (…)

In gewisser Weise ist das erfreulich. Es gibt jetzt, so könnte man sagen, ein bisschen weniger Menschenverachtung im Hause „Bild“. Einerseits.

Andererseits macht es einen Unterschied, ob Bild.de rein faktische Fehler in längst erschienen Artikeln korrigiert oder einen längst erschienenen Artikel nachträglich so verändert, dass er viel harmloser klingt und plötzlich — anders als die Original-Version — weitgehend im Einklang mit dem Pressekodex steht.

Mit Dank für den sachdienlichen Hinweis an Tobias M.