Halbgares über die Herdprämie

Der schnellste und sicherste Weg, einen möglichst fehlerhaften Text zu bekommen, ist, einen Bild.de-Mitarbeiter mit Statistiken jonglieren und anschließend alles aufschreiben zu lassen. Zum Beispiel zum Thema Betreuungsgeld.

Momentan entscheidet das Bundesverfassungsgericht, ob die monatlichen Zahlungen von 150 Euro für Kinder zwischen dem 15. und 36. Lebensmonat mit der Verfassung vereinbar sind.

Aber welche Eltern haben bisher eigentlich vom Betreuungsgeld profitiert?

… fragt Bild.de.

Das Statistische Bundesamt hat nun aktuelle Daten dazu veröffentlicht.

Na, dann mal ran ans Durcheinanderbringen an die Daten!

Nur in Bremen und Berlin war der Anteil der Väter, die die Prämie beantragt haben, mit knapp 11 und 8 Prozent recht groß. Am niedrigsten lag die Väter-Quote in Bayern (3,2 %), Thüringen (3,4 %) und Baden-Württemberg (3,6 %).

Das stimmt schon mal fast. Man müsste bloß die „knapp 11“ und die „8 Prozent“ für Bremen und Berlin jeweils durch 9,1 Prozent ersetzen, statt der „3,2 %“ für Bayern 3,1 Prozent schreiben und anstelle der „3,4 %“ für Thüringen 3,6 Prozent nehmen. Steht so auch alles in der Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts (PDF):

Aber weiter im Bild.de-Text:

Die Bezugsdauer ist in den Bundesländern im Osten mit durchschnittlich 13,7 Monaten viel kürzer als in den westlichen Bundesländern mit im Schnitt 19,6 Monaten.

Auch fast richtig. Nur dass die durchschnittliche voraussichtliche Bezugsdauer „in den Bundesländern im Osten“ (einschließlich Berlin) 14,4 Monate beträgt und die „in den westlichen Bundesländern“ 19,9:

Weiter:

Etwa jedes zweite Kind (51 %), für das Betreuungsgeld bezogen wird, ist derzeit ein Einzelkind.

Und wieder ein Volltreffer — also im Sinne von voll daneben. Denn nicht 51, sondern 49,5 Prozent aller Kinder, für die Betreuungsgeld gezahlt wird, sind Einzelkinder:

Und irgendwas mit Ausländern gibt’s doch sicher auch noch:

15 Prozent der Bezieher des Betreuungsgeldes besaßen nicht die deutsche Staatsbürgerschaft.

Um es kurz zu machen: Es sind 16,6 Prozent:

Wie Bild.de auf all die wirren Zahlen kommt, wissen wir auch nicht*. Sie haben — entgegen der Behauptung im Artikel — jedenfalls nichts mit der aktuellsten Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts zu tun, das hat uns eine Mitarbeiterin dort auf Nachfrage bestätigt.

Aber das hindert die Leute von Bild.de natürlich nicht, den Artikel so zu überschreiben:

Joar.

Mit Dank an Christof D. und Joachim L.

*Nachtrag, 26. April: Inzwischen wissen wir, wie das Zahlen-Durcheinander zum Betreuungsgeld entstanden sein dürfte. Bild.de hat nämlich drauf gepfiffen, dass das Statistische Bundesamt „nun aktuelle Daten dazu veröffentlicht“ hat, und stattdessen die Zahlen aus dem zweiten Quartal 2014 (Stand: August 2014, PDF) verwurstet.