Halstuch, Datum, 16:9, DRS2

Politisch korrekte Halstücher, kämpfende arabische Blogger, das Zeitalter der Massen-Intelligenz und eine Erfolgsgeschichte aus dem Zeitschriftenmarkt. Die Presseschau.

1. Interview mit Klaus Stimeder
(derstandard.at, Harald Fidler)
Eine Erfolgsmeldung aus dem Zeitschriftenmarkt, das 2004 als „Selbstausbeutungsprojekt von Journalisten“ gestartete Magazin Datum könnte überleben: „Autorenhonorare bezahlt ‚Datum‘ seit mittlerweile 2 1/2 Jahren, leben davon kann mittlerweile nicht nur der Herausgeber, sondern auch eine Handvoll Angestellte. Was die Freien angeht: Nach viereinhalb Jahren und 50 Ausgaben gibt es keinen einzigen Mitarbeiter mehr, der unentgeltlich arbeitet. Und worauf wir besonders stolz sind: Das alles haben wir geschafft, ohne auch nur einen Cent Schulden zu machen. Zu verdanken ist das freilich jenen Leuten, welche in den ersten zwei Jahren nach der Gründung ihre Arbeits- und Tatkraft unentgeltlich zur Verfügung gestellt haben, weil sie an die Idee des Blattes geglaubt haben.“

2. „Stell dir vor es ist Krieg – und einer geht hin“
(andremarty.com)
André Marty berichtet für das Schweizer Fernsehen „ein paar Meter neben israelischen Panzern an der Grenze zum Gaza-Streifen“. Sein Arbeitgeber macht sich Sorgen um ihn. Unter anderem, ob er den richtigen Schal trägt: „Derweil kommt aus der Redaktion in der fernen Schweiz die dringende Bitte, doch auf ein Halstuch zu verzichten, mache mich irgendwie zum Palästinenser, einer meint gar zum Taliban…“ So sieht das Halstuch aus, auf mich wirkt das mehr wie ein Mittel gegen die Kälte, weniger wie eine politische Manifestation.

3. „Schnittbericht“
(filmtagebuch.blogger.de, Thomas Groh)
„Zum Jahreswechsel strahlte 3sat Eisensteins Das Alte und das Neue in der neuen rekonstruierten Fassung aus – in 16:9. Was insofern verwunderlich ist, da sich dieses Bildformat erst Jahre nach Eisensteins Film etablierte. Folgerichtig wurde einfach unten und oben vom Bild was weggeknuspert, vermutlich um den Zuschauern zuhause an den neuen TV-Geräten unzumutbares wie schwarze Streifen rechts und links vom Bild zu ersparen. Mittig abgeschnittene Gesichter sind im Gegensatz dazu schließlich ohne weiteres erträglich.“

4. „DRS 2, ein Angestellten-Paradies voller betulicher Bürolisten“
(tagesanzeiger.ch, Peter Müller)
„Im Studio von DRS 2 sei es stiller als ‚in einem Sanatorium zur Mittags-Ruhezeit‘, an den Redaktionssitzungen werde ‚oft länger um Lohnprozente als ums Programm geredet‘, schreibt Margrit Sprecher in ihrem neuen Buch.“

5. „Die allgemeine Verblödung ist ein Märchen“
(nzz.ch)
„Mehr Opernfreunde, Ansturm auf die Museen und ein wiederentdecktes Interesse für die Klassiker der Literatur. Die allgemeine Verblödung ist ein Märchen. Das Zeitalter der Massen-Intelligenz hat eben erst begonnen.“

6. „Der Freiheitskampf arabischer Blogger“
(dradio.de, Ibtissam Moure)
„Ob aus Tunesien, Äypten, Syrien, Marokko oder Saudi-Arabien: Arabische Blogger werden zu Ikonen einer neuen Generation von Menschrechtskämpfern. Tatsächlich klickt sich kaum jemand häufiger als sie in das World-Wide-Web ein, um auf Unterdrückung aufmerksam zu machen. Und das mit großem Geschick.“