Zum Killer gemacht

Vorgestern begann der Prozess gegen den mutmaßlichen „Manga-Killer“ („Bild“), der im Verdacht steht, ein 14-jähriges Mädchen erstochen zu haben (BILDblog berichtete).

Und so sieht der Verdächtige laut „Bild am Sonntag“ aus:

(Unkenntlichmachung von uns. Im Original liegt ein Alibi-Balken über seinen Augen.)

Das Foto hat die „BamS“ kurzerhand bei Facebook besorgt:

Allerdings: Sie hat sich im falschen Profil bedient. Das Foto zeigt gar nicht den Verdächtigen. Die beiden heißen nur gleich.

Auf Anfrage erklärte uns der Abgebildete, nennen wir ihn Paul, dass er am Sonntag von vielen Leuten darauf hingewiesen worden sei, dass die „BamS“ sein Foto zeige. Sofort teilte er bei Facebook mit, dass er nichts mit der Tat zu tun habe und ging zur Polizei.

Er habe sich nicht nur geärgert, sondern auch Angst bekommen, sagt Paul, allein wenn er daran denke, was in Emden passiert sei. Dort hatte sich vor zwei Jahren ein Mob versammelt, um sich an einem Verdächtigen zu rächen, den „Bild“ zuvor ebenfalls abgebildet und als (mutmaßlichen) Täter bezeichnet hatte. Später stellte er sich als unschuldig heraus (BILDblog berichtete).

Es ist auch nicht das erste Mal, dass sich die Fotobeschaffer von „Bild“ im falschen Facebook-Profil bedienen: 2012 schrieb das Blatt über den Mord an Hanna K. — und druckte ein Foto von Hannah W., die quicklebendig war und nichts mit der Sache zu tun hatte (BILDblog berichtete auch hier).

Um wenigstens im Umkreis von Pauls Wohnorts klarzumachen, dass er nicht der „Manga-Killer“ ist, soll in der Lokalzeitung ein entsprechender Hinweis erscheinen. Gegen die „Bild am Sonntag“ (verfasst wurde der Artikel übrigens von den Pietäts-Experten Nils Mertens und Bastian Schlüter) hat Paul rechtliche Schritte eingeleitet.

Mit Dank an Kai L.

Nachtrag, 21. August: Heute Abend hat sich die „BamS“ per Facebook entschuldigt:

Danke an @vierzueinser für den Hinweis!

Fortsetzung: hier.