W&V, Wanzen, Wedel, Weihnachten

Harald Martenstein liebt in die Badewanne gefallene Bücher, 5 Euro für 400 Wörter werden geboten und Vanity Fair schaltet Anzeigen für vergangene ZDF-Sendungen. Die Presseschau.

1. „Die ‚Wanze‘ im Nationalratssaal“
(medienspiegel.ch, Peter Studer)
Für eine Hintergrundreportage wird bei den Bundesratswahlen ein Parteipräsident mit einem Ansteckmikrophon ausgestattet. Weil er damit den Parlamentssaal betritt und andere Parlamentarier und Medienleute, die darüber nur zum Teil informiert sind, aufnimmt, sieht sich das Schweizer Fernsehen und sein „Hilfsreporter“ Klagen gegenüber. Peter Studer, ehemaliger Chefredaktor des Schweizer Fernsehens und ehemaliger Präsident des Schweizer Presserats, klärt über die rechtliche Lage auf.

2. „ZDF wirbt in ‚Vanity Fair‘ für vergangene Sendungen“
(dwdl.de, Thomas Lückerath)
„In der neuesten Ausgabe der ‚Vanity Fair‘ wirbt das ZDF mit ganzseitiger Anzeige für zwei Fernsehsendungen, die vor dem Erscheinungstag der Zeitschrift ausgestrahlt wurden. Was ist da denn schief gelaufen? „

3. Interview mit Dieter Wedel
(tagesspiegel.de, Thomas Eckert und Joachim Huber)
Regisseur Dieter Wedel fordert mehr Bissigkeit: „Ich finde, die Definition von Erfolg muss bei den öffentlich-rechtlichen Sendern eine andere sein als bei den Privaten. Für die kann nur die Quote der einzige Maßstab sein, Öffentlich-Rechtliche sollten auch dafür sorgen, dass den Zuschauern nicht die Zähne ausfallen. Immer nur Breichen macht das Gebiss kaputt. Es muss auch mal kräftig gekaut werden. Wenn er zu faul dazu ist, muss man den Zuschauer dazu zwingen, sonst haben wir irgendwann ein zahnloses Publikum. Wenn es denn nicht schon so weit ist.“

4. „W&V beendet Kooperation mit Turi2“
(meedia.de, Georg Altrogge)
„‚W&V‘-Chefredakteur Jochen Kalka war auf MEEDIA-Anfrage nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Insider berichten jedoch, dass man in der Hultschiner Straße mit einem kritischen Turi2-Bericht zur Entlassung von Mitarbeitern und der Trennung vom zweiten „W&V“-Chefredakteur Stefan Krüger nicht gerade glücklich war.“

5. „Geld verdienen mit Texten“
(berlin.de.craigslist.org)
Vor der Entlassung stehende Journalisten können sich ja mal umschauen, was sich so im Internet verdienen lässt. Gerade mal 5 Euro werden geboten – für 400 Wörter, also etwa 2000 bis 3000 Zeichen. Wer gerade gewerkschaftlich aktiv ist oder in Lohnverhandlungen – hier sind die Alternativen. Weihnachtlich wirken solche Anzeigen nun wirklich nicht, immerhin wird etwas, anders als bei vielen Praktika, bezahlt. Muss man hoffen, dass sich niemand auf die Anzeige meldet?

6. „E-Book: Nix für die Badewanne“
(tagesspiegel.de, Harald Martenstein)
Ja, die Menschen lieben Bücher und Zeitschriften. Sie sind damit aufgewachsen und sie fühlen sich (noch) besser an als elektronische Geräte. Doch muss die haptische Geborgenheit so weit gehen, dass man selbst die absurdesten Vorteile zugunsten des Papiers bringt? Harald Martenstein: „Das Buch kann in die Badewanne fallen, ohne hinterher total unbenutzbar zu sein.“ Äh. Ja? Na dann frohe Weihnachten! Ihre Frau wird sich sicher freuen über das zerfledderte und verklebte Buch das neue E-Book.