Schmidt, vergreiste ARD, Mosley

Die Medien drängeln sich um einen rauchenden Altkanzler, ein Sportfunktionär gewinnt Prozesse um seine Intimspähre und der Niedergang des Bund ist hausgemacht. Die Presseschau.

1. „Schmidteinander in den Medien“
(dradio.de, Brigitte Baetz)
Neben Jopi Heesters ist er DER Liebling der sterbenden Medien (weil er sie an die guten Zeiten erinnert): Altkanzler Helmut Schmidt, der ohne Amt und ohne Lächeln, aber mit Zigarette und Grandezza die Medien an der Nase herumführt: „90 Jahre wird er am Tag vor Weihnachten, ein Grund zum Feiern, ohne Frage, und schon seit seinem 80. Ehrentag scheint Helmut Schmidt machen zu können, was er will, von Rundfunk und Presse wird es mit Wohlwollen kommentiert. Während sich Deutschlands Raucher aus den Kneipen ins zugige Freie schleichen müssen, um ihrem Laster zu frönen, quarzt der Altkanzler unter dem entzückten Beifall der Journaille wo er nur geht und steht.“

2. „Hier werden Sie ins Grab geschunkelt!“
(stern.de, Alexander Kühn)
„Das Programm der ARD ist für junge Zuschauer ungefähr so attraktiv wie Blasentee und Treppenlifter – von Ausnahmen wie Sport einmal abgesehen. Und dem einzigen Vorzeigejugendlichen: Oliver Pocher. Bericht über eine Anstalt, die mit ihrem Publikum vergreist.“

3. „Die fetten Jahre kommen“
(faz.net, Michael Hanfeld)
„Die Folgen der Weltwirtschaftskrise kennt das öffentlich-rechtliche Fernsehen nur vom Hörensagen. Es ist bei den Gebühren und im Internet auf Wachstumskurs und wird dabei von der Politik, anders als in England, nicht gebremst. So lässt es sich leben – nur auf wessen Kosten?“

4. „Dem ZEIT-MAGAZIN geht das LEBEN verloren“
(medien-sport-politik.de, Felix)
„Das Heft hat nur selten gehalten, was es wirklich versprochen hat. Ich habe es selten komplett durchgelesen und mich meist auf die Martenstein-Kolumne und die Zigarette mit Helmut Schmidt beschränkt. Die Themenauwahl ist sehr viel enger geworden, mittlerweile ist fast jedes vierte Helft eine schlichte Bildergalerie von irgendwelchen Models, Handtaschen oder Uhren. Wirklich tiefgründiger Journalismus, den das Ressort Leben ausgezeichnet hat, findet man nur noch selten. Vor allem der Bereich Sport, den im ehemaligen Ressort Leben seinen festen Platz hatte, kommt nur noch sehr kurz.“

5. „Wer zu spät vom hohen Ross steigt …“
(blattkritik.ch, Rolf Marti)
„Das Bund-Ende naht. Schuld daran sind nicht die von Graffenrieds und Supinos, die Gratiszeitungen oder das Internet. Der Niedergang ist primär hausgemacht – eine Folge verlegerischer Fantasielosigkeit und redaktioneller Überheblichkeit.“

6. „Falsche Streifen“
(spiegel.de, Henryk M. Broder)
Henryk M. Broder fasst den Fall des wegen einer angeblichen „Nazi-Sex-Party“ in den Medien Berühmtheit erlangten Sportfunktionärs Max Mosley zusammen. Im Urteil des Prozesses gegen die Boulevardzeitung News of the World, in dem es um die Längs- und Querstreifung von „Pyjamas“ ging, erhielt Mosley „wegen Verletzung der Intimsphäre“ 60.000 Pfund Schadensersatz.