Die bittere Rache III

Faustregel 1: Wenn die „Bild“-Zeitung gegen jemanden eine Kampagne fährt, hört sie nicht nach zwei Tagen auf.

Faustregel 2: Je länger die Kampagne andauert, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass in den Artikeln noch Dinge stehen, die stimmen.

Heute ist der dritte Tag der aktuellen „Bild“-Kampagne gegen Alexandra Neldel, und die Zeitung hat sich Folgendes einfallen lassen:

Riesen-Zoff um Sexszenen! Schmeißt Alexandra Neldel bei "Verliebt in Berlin" hin?

„Bild“ schreibt: Weil RTL im Juli den Film „Miststück“ mit ihr wiederhole, in dem „heiße Sexszenen“ mit ihr zu sehen seien, sei Neldel „stinksauer“ und wolle vielleicht sogar bei „Verliebt in Berlin“ aussteigen.

Nun kann man sich fragen, ob das denn stimmt. Vorher aber noch kann man sich fragen, ob das überhaupt einen Sinn ergibt: Neldel ist bei Sat.1 so erfolgreich, dass RTL sich ärgert. RTL will Neldel zurückärgern und wiederholt deshalb einen alten Film mit ihr. Neldel ärgert sich so sehr über RTL, dass sie daraufhin bei Sat.1 kündigt.

Oder, anders gesagt: Hä?

„Bild“ behauptet weiter, Christian Popp, der Produzent von „Verliebt in Berlin“, habe „Bild“ gegenüber gesagt:

„Ob Frau Neldel auch in einer weiteren Staffel mitwirkt, ist derzeit noch unklar.“

Mal abgesehen davon, dass auch „noch unklar“ ist, ob es eine weitere Staffel geben wird (Telenovelas wie „Verliebt in Berlin“ sind eigentlich nicht auf Unendlichkeit angelegt), hat sich Alexandra Neldel schon vor einem Monat festgelegt. Bei „Beckmann“ sagte sie am 18. April 2005:

„Ich fände es traurig, weiterzumachen. Dann müssen sie jemand anderes suchen. Nach 225 Folgen ist die Geschichte erzählt.“

Damals war von dem angeblichen Wirbel um die RTL-„Miststück“-Wiederholung noch nichts zu ahnen; der von „Bild“ hergestellte Zusammenhang ist offenkundig falsch.

Dass der eigentliche „Zoff um Sexszenen“, von dem „Bild“ schreibt, nicht zwischen RTL und Sat.1 stattfindet, sondern zwischen Neldel und dem Springer-Verlag, in dem „Bild“ erscheint, verheimlicht die Zeitung. Neldel geht (wie gesagt) dagegen vor, dass Springer mehrmals rechtswidrig ein altes „Playboy“-Foto von ihr veröffentlicht hat. Wenn man das weiß, erkennt man auch den „Bild“-Humor, der sich in diesem Text unter einem Foto von Neldel ausdrückt:

Die gebürtige Berlinerin Alexandra Neldel liebt es, sich erotisch fotografieren zu lassen