WAZ, Redakteurspflege, TV 3.0

Die Presseschau ist heute eine reine Blogschau: Mit Mitarbeitern der WAZ, mit Zeitungen und Steuern, mit dem tatsächlichen Zustand des Journalismus und mit einem Entwurf zu TV 3.0.

1. „Überwiegend Enttäuschung: Kündigungen nicht vom Tisch“
(medienmoral-nrw.de)
Das „Blog zur Situation bei WAZ, NRZ, WR und WP“ berichtet von einer Betriebsversammlung. Interessant dabei die Kommentare, in denen sich offenbar viele Mitarbeiter, ein Grossteil davon anonym, zur Lage äussern: „Die Betriebsversammlung war ENTTÄUSCHEND, bei jeder noch so lächerlich anberaumten Pressekonferenz sind mehr Neuigkeiten zu erfahren.“ – „Nun also zeigen die Rendite-Jäger im WAZ-Konzern offen die häßliche Fratze des Kapitalismus.“ – „Ich habe bislang geglaubt, als alleinerziehende Mutter mit zwei unterhaltspflichtigen Kindern und 23 Berufsjahren im WAZ-Konzern genug Sozialpunkte gesammelt zu haben, um mir keine Gedanken über einen Rauswurf machen zu müssen…“

2. „Zahlen zur geplanten WAZ-Axt“
(pottblog.de, Jens Matheuszik)
Auch Jens Matheuszik berichtet über die Veranstaltung: „Dem Pottblog liegen einige Informationen vor, wie sie in der Betriebsversammlung anscheinend mitgeteilt worden sind.“

3. „SPD will Zeitungs-Abo von der Steuer absetzen“
(lumma.de, Nico Lumma)
„Ah ja. Das ist ja eine sehr zukunftsweisende Sicht der Dinge. 500 Millionen Euro pro Jahr soll der Spaß kosten, damit die Verlage für ihre Versäumnisse der letzten mindestens 10 Jahre nicht zu sehr vom Markt bestraft werden? Ich glaube ja nachwievor nicht daran, dass das Trägermedium über die Qualität des Journalismus entscheidet, also sehe ich nicht, warum Tageszeitungsabos jetzt von der Steuer abgesetzt werden sollten.“

4. „Qualitätsjournalismus“
(bf-g.de, Bastian Berkner)
„Vor einigen Tagen saß ein angehender Kollege staunend vor dem Bildschirm und fragte, ob wir die Meldungen aus dem Newsticker nicht mehr gegenrecherchieren. Und die Überraschung war groß, als wir das im Falle vieler Korrespondentenberichte schlicht verneinten. Online bleibt einfach keine Zeit um groß Geschichten zu schreiben, denn so ziemlich jedes namhafte Medium ballert die Texte inzwischen mit minimaler Bearbeitung auf dieselbe Weise auf die Seiten. Was zählt ist Geschwindigkeit und sonst nichts.“

5. „/ignore print“
(falk-lueke.de)
„Dem Journalismus geht es nicht sonderlich gut derzeit. Tragfähige Geschäftsmodelle sind Mangelware, statt mit Recherche verbringen die Journalisten ihre Zeit entweder – als Redakteure – mit Redaktionskonferenzen, Freienbetreuung, Arbeitsplatzerhaltsangst, Klickstreckencontentersinnung, Ärger mit aufmüpfigen, besserwisserischen Lesern, irreleitenden Googletreffern und Kaffeemaschinenverstopfungen. Oder als Freie, dann verbringen sie ihre Zeit mit Redakteurspflege, Auftragerhaltsangst, Klickstreckencontentproduktion, Ärger mit aufmüpfigen, besserwisserischen Redakteuren und Lesern, irreleitenden Googletreffern und Kaffeemaschinenverstopfungen.“

6. „TV 3.0“
(clapclub.de)
„So könnte es aussehen.“