Scheiß-Internet, NYT, Carl Just

Ein Journalist kriegt Besuch von der Polizei, dem ORF-Programmdirektor ist es „scheißegal“, was im Internet steht und Carl Just spricht von „Inszenierungen“ beim Ringier-Verlag. Unsere Presseschau.

1. „ORF-Lorenz: ‚Dieses Scheiß-Internet!'“
(chilli.cc, Richard Pyrker)
ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz äusserte sich an einer Podiumsdiskussion über das Internet. Es sei ihm „’scheißegal, was da drinnen steht und was Jugendliche darin machen‘. Junge Leute müssten sich schon selbst darum kümmern, dass sie im Fernsehen gehört werden.“ Die Website scheissinternet.at ist bereits registriert und sammelt „Reaktionen diverser Blogger über Twitter.com ‚in Echtzeit‘ zu einem kollaborativen offenen Brief und demonstriert die Bedeutung der Interaktion in einer vernetzten Öffentlichkeit“.

2. „‚Rundschau‘: 150 statt 250 Mitarbeiter“
(nachrichten.at)
„Die ‚Oberösterreichische Rundschau‚ wird zu Jahresende Kauf-Wochenzeitung mit 140 Jahren Geschichte zu existieren aufhören. Die Tiroler Moser Holding (‚Tiroler Tageszeitung‘, ‚Bezirksblätter‘) wird als 51-Prozent-Mehrheitseigentümer die Zeitung komplett auf eine Gratiszeitung umstellen.“

3. Wohnungsdurchsuchung bei Burkhard Schröder
(burks.de)
Der Journalist Burhard Schröder erhielt gestern überraschend Besuch von der Polizei: „Heute morgen um 7.30 Uhr stand die Polizei vor der Tür. Meine Wohnung wurde durchsucht und mein Rechner beschlagnahmt. Vorwurf: Verstoß gegen das Waffengesetz.“

4. Interview mit Carl Just
(tagesanzeiger.ch, Dario Venutti)
Der ehemalige Kriegsreporter Carl Just spricht über seine Zeit beim Ringier-Verlag und spricht von „Inszenierungen“ auf der Redaktion in Zürich: „Die Chefredaktoren dinieren mit wichtigen Politikern, und dann beschliessen sie gemeinsam, wer der Böse ist und wer der Gute. Wenn ich jeweils wieder auf der Heimredaktion war nach einer Reportage, erklärte mir mein Chef, wie die Dinge in dem Land stehen, aus dem ich gerade kam. Sie konstruierten die Geschichte, die ich schreiben sollte. Ich habe lange nicht gemerkt, dass ich von der eigenen Redaktion manipuliert wurde. Gleichzeitig feierten sie mich als ihren Mann vor Ort.“

5. „Per Mail nicht erreichbar – ein Selbstversuch“
(faz.net, Valentin Groebner)
„Alle klagen über E-Mails. Viel zu viele bekomme man, schrecklich sei das, jeden Morgen der Posteingang wieder voll. Aber man könne sich ja nicht wehren. Kann man nicht? Valentin Groebner hat seine Mailbox einen Monat lang ausgeschaltet – ein Erfahrungsbericht.“

6. „The New York Times’s Lonely War“
(vanityfair.com, Seth Mnookin)
Für das Büro in Bagdad gibt die New York Times jährlich mehr als drei Millionen US-Dollar aus. Ein ausführlicher Bericht.