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„Bild“ kennt sich aus mit dem Papst. Schließlich hatte sie ihm vor nicht allzu langer Zeit eine Bibel geschenkt. Und wenn etwas passiert, jetzt zum Beispiel, protokolliert „Bild“ das Geschehen minutiös.

Vor ein paar Tagen etwa titelte „Bild“ auf Seite 2:

„Um 19.12 Uhr verlor der Papst das Bewusstsein“

Das stimmte zwar nicht (weil die Bewusstlosigkeit bereits um 19.11 Uhr von verschiedenen Nachrichtenagenturen ohne genaue Zeitangabe, dafür aber unter Berufung auf den Fernsehsender Sky Italia, der sich seinerseits auf die Nachrichtenagentur Apcom berief, vermeldet worden war) — aber was soll’s: In derselben „Bild“-Ausgabe stand schließlich auch, wann genau die rechte Bronzetür des Petersdoms geschlossen wurde – nämlich wahlweise um „19.12 Uhr“ („Bild“, Seite 1) oder um „19.14 Uhr“ („Bild“, Seite 2).

Und gestern? Da hat sie’s wieder getan, die „Bild“: Wo andernorts bloß vage von „kurz nach 20 Uhr“ oder „kurz nach acht Uhr abends“ die Rede war, wusste sie’s wieder ganz genau und schrieb:

„Um 20.06 Uhr jubelte die Menge auf dem Petersplatz. Grauer Rauch quoll aus dem Schornstein auf der Sixtina, wurde heller — und färbte sich schwarz. Der erste Wahlgang im Konklave hat keinen Papst gebracht.“

Und wieder hatte es nicht gestimmt, hatten verschiedene Nachrichtenagenturen bereits um 20.05 Uhr vermeldet, was laut „Bild“ doch erst um 20.06 Uhr stattfand.

Womöglich ließe sich daraus ableiten, dass „Bild“ dann am genauesten berichterstattet, wenn sie sich Sachen ausdenkt. Aber, wie gesagt, was soll’s… Schließlich hat der Erdkreis ja doch noch einen neuen Papst bekommen – und die „Bild“-Redaktion offenbar eine neue Uhr.

Zumindest tickt die jetzt genauso wie der Vatikan.