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„Jetzt“ II

Das ist eine merkwürdige Frage, die die „Bild am Sonntag“ am vergangenen Wochenende stellte:

Spionierte ER den Papst für die Stasi aus?

Merkwürdig nicht nur, weil die „BamS“ die Antwort kennt und diese Antwort unwidersprochen ist: Ja, dieser Mann spionierte den Papst für die Stasi aus. Merkwürdig auch, weil diese Antwort seit vielen Jahren bekannt ist.

Ein Teil der Geschichte stand bereits am 17. Januar 1999 in der „Bild am Sonntag“:

Die Stasi bespitzelte sogar den Papst. Das geht aus Unterlagen der Gauck-Behörde hervor, die erst jetzt entschlüsselt werden konnten. Danach lieferten zwei Spione mit den Decknamen „Lichtblick“ und „Antonius“ 760 Informationen aus dem Vatikan an Markus Wolfs Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) in Ostberlin (…). „Antonius“ wurde in den 60er Jahren angeworben und soll für die Katholische Nachrichtenagentur gearbeitet haben.

Wer sich hinter „Antonius“ und „Lichtblick“ verbarg, ist ebenfalls schon lange kein Geheimnis mehr. Nachzulesen war es z.B. in der Ausgabe 1/2000 der kritischen Kirchenzeitschrift „Imprimatur“. Bernd Schäfer vom Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung an der TU Dresden nannte darin nicht nur den Namen des IM „Antonius“, sondern auch, was aus ihm wurde:

Nach seinem Ausscheiden aus der [Katholischen Nachrichtenagentur] KNA wurde er, trotz kirchlicher Kenntnis über seine MfS-Verbindungen, Leiter der Koblenzer Pressestelle des Bistums Trier und inzwischen sogar Ordinariatsrat.

Diese Karriere kann man — wie Schäfer — scharf kritisieren. Aber was die „Bild am Sonntag“ aufschreibt und was laut „Bild am Sonntag“ „jetzt entschlüsselt“ wurde, ist lange bekannt. Die „BamS“ erzählt es einfach alles noch einmal nach und tut so, als sei es neu. Kein Wunder, dass der Trierer Bistumssprecher gegenüber der Zeitung „Trierischer Volksfreund“ den Bericht als „Alten Hut“ bezeichnet:

„Das ist doch alles lange bekannt, eine uralte Geschichte. (…) Wir wissen, was damals gelaufen ist. Die Einstellung des Mannes lief unter dem Stichwort Versöhnung. Das steht uns Christen gut an.“

Danke an Tim R. für den sachdienlichen Hinweis.