„Bild“ und „B.Z.“ wollen Klar weiter zeigen

Der Axel Springer Verlag wehrt sich. Nachdem das Berliner Landgericht „Bild“ und „B.Z.“ per einstweiliger Verfügung untersagt hat, aktuelle Fotos von Christian Klar zu veröffentlichen (wir berichteten), hat die „B.Z.“ gestern Widerspruch gegen die Verfügung eingelegt. Und auch die „Bild“-Zeitung will heute einen entsprechenden Widerspruch einlegen.

In einer Pressemitteilung der „B.Z.“ von gestern heißt es:

Die B.Z. hatte bei ihrer Abwägung dem Berichterstattungsinteresse der Öffentlichkeit und damit der Pressefreiheit den Vorrang gegenüber dem Resozialisierungsinteresse von Christian Klar eingeräumt. B.Z.-Chefredakteur Peter Huth: „Das Bild zeigt die Wirklichkeit, nicht mehr und nicht weniger.“ B.Z.-Anwalt Jan Hegemann: „Das Foto zeigt ein zeitgeschichtliches Ereignis: Klar verlässt das Berliner Ensemble – ein hoch subventioniertes Theater, das im intellektuellen Haushalt der Republik eine bedeutende Rolle spielt. Das ist das Besondere, das darf man dokumentieren.“

Zudem präsentierte die „B.Z.“ ihren Lesern in der gestrigen Ausgabe „zahlreiche Chefredakteure, Journalisten und Politiker“, die sich „hinter die B.Z.“ stellen und „mit Unverständnis auf das Verbot des Landgerichts Berlin“ reagieren würden.

Neben dem FDP-Politiker Max Stadler und dem Sprecher des Deutschen Journalisten Verbands sind das:

  • Sven Gösmann, den die „B.Z.“ als „Chefredakteur ‚Rheinische Post'“ bezeichnet, und der vorher Politik-Chef der „Bild“-Zeitung war.
  • Bettina Röhl, die die „B.Z.“ als „Publizistin“ bezeichnet, und die zudem die Tochter von Ulrike Meinhof ist, für Welt.de bloggt und der die „Zeit“ mal „radikal verengte Weltbilder“ vorwarf.
  • Wolfram Weimer, den die „B.Z.“ als „Herausgeber und Chefredakteur des Politmagazins ‚Cicero'“ bezeichnet, und der mal Chefredakteur von „Welt“ und „Berliner Morgenpost“ war.
  • Hans-Hermann Tiedje, den die „B.Z.“ als „Medienmanager“ bezeichnet, und der früher mal Chefredakteur der „Bild“-Zeitung war.
  • Und Helmut Markwort.

Laut der Nachrichtenagentur ddp reagierte Klars Anwalt indes „verständnislos auf die Widersprüche“:

Das Landgericht habe die Verfügungen auf der Grundlage eben jener Argumente erlassen, die von den beiden Boulevardblättern nun in den Widersprüchen erneut angeführt würden. Er halte die Argumente für rechtsfern, da die Pressefreiheit nie gefährdet gewesen sei.

„Herr Klar hat sich nicht dagegen verwahrt, dass über sein Praktikum beim Theater berichtet wird“, sagte Eisenberg. Es sei für die Öffentlichkeit allerdings unerheblich, wie er dabei aussehe. Zudem verliere die Begründung, dass Klar für ein staatlich subventioniertes Theater arbeiten sollte dadurch an Bedeutung, dass das Praktikum unentgeltlich erfolgen sollte.

(Wird ziemlich sicher fortgesetzt…)

Nachtrag, 20.35 Uhr: Auf Bild.de, wo bis heute nachmittag noch eines der aktuellen „B.Z. Exklusiv-Fotos“ (Bild.de) einen dazugehörigen Artikel illustrierte („Hier spaziert RAF-Terrorist Christian Klar (56) durch die Hauptstadt…“), wurde das Paparazzi-Foto inzwischen gegen ein Archivbild von 1992 ausgetauscht.