Mittendrin statt nur dabei

Während viele Medien immer noch darüber nachdenken, wie sie im Internet Geld verdienen können, war das „Hamburger Abendblatt“ vergangene Woche schon einen Schritt weiter:

Polizei schießt auf Bewaffneten auf dem Kiez – hier im Video. Jetzt weiterlesen ... Mit einem Online-Abonnement des Hamburger Abendblatts haben Sie vollen Zugang zum ePaper, zu allen Artikeln und zum Online-Archiv.

Gut, wer die mindestens 1,20 Euro bezahlt hat, um zu sehen, wie die Polizei auf den „Bewaffneten auf dem Kiez“ schießt, wurde enttäuscht: An der entscheidenden Stelle bleibt der Bildschirm schwarz, weil die Bilder „zu brutal sind, um sie hier zu zeigen“. Aber immerhin kann man die Schüsse hören, während die Musik einer Gaststätte im Hintergrund läuft.

Der monotone Off-Kommentar ist auch nicht mit den reißerischen Ansagen aus dem US-Fernsehen zu vergleichen, eher mit einem Vortrag über das Element Caesium im „Telekolleg“. Aber ansonsten bekommt der Leser/Zuschauer für sein Geld schon ordentlich was geboten: Den Teil der Videoaufnahmen, den die Redaktion von abendblatt.de offenbar nicht für „zu brutal“ hielt.

Also etwa den (womöglich psychisch kranken) Mann, der sich – notdürftig unscharf gemacht – eine Waffe an den Kopf hält, einen Schwenk auf die Polizisten, die nach den Schüssen auf seine Beine um ihn herumstehen, und Rettungssanitäter, die den Mann wegbringen, sowie umstehende Polizisten und Fotografen.

Dazu heißt es aus dem Off:

Schießerei auf dem Kiez: Die Besucher eines Restaurants an der Seilerstraße haben am Mittwoch mit einem Handy diese Bilder aufgenommen. Darauf ist zu sehen, wie sich ein 48-jähriger Mann eine Pistole an den Kopf hält. Als der Mann später mit durchgeladener Waffe auf die Polizeibeamten zugeht, eröffnen diese das Feuer. Bilder, die zu brutal sind, um sie hier zu zeigen. Sie treffen den Mann zweimal: Eine Kugel trifft den 48-Jährigen am Oberschenkel, eine zweite Kugel verletzt ihn am Unterschenkel. Kurz nach der Schießerei bringt ein Krankenwagen den Mann ins Krankenhaus. Das Motiv des 48-Jährigen ist bislang noch unklar.

Auch bei Bild.de gibt es ein Video des Vorfalls: „Ex-Touché-Sänger Karim Mattaoui (38), in den 90ern ein Boygroup-Star und Teenie-Idol“ hatte für Sekundenbruchteile einen unscharfen Blick auf den Mann werfen können und das wacklige Videodokument auf Facebook hochgeladen.

Nach den Schüssen hatte sich übrigens herausgestellt, dass der „Amokläufer“, wie „Bild“ und „Hamburger Morgenpost“ den Mann nennen, eine Gaspistole bei sich trug.

Mit Dank an Stefanie.