Wochenrückblick Nr. 33

Die Newsnetzer stärken den Boulevard und finden Maddie in Brüssel, außerdem wieder großer Stellenabbau bei amerikanischen Zeitungen. Unser Rückblick auf die 33. Kalenderwoche.

Die Newsnetzer stärken den Boulevard und finden Maddie in Brüssel, außerdem wieder großer Stellenabbau bei amerikanischen Zeitungen. Unser Rückblick auf die 33. Kalenderwoche.

Das Bild der Woche: Drei amerikanische Zeitungen, denen möglicherweise Entlassungen bevorstehen. Gannett, der größte Zeitungsverlag der USA, will 1000 Stellen bei kleineren Blättern streichen, rund 3 Prozent der Belegschaft. Bis zu 600 Mitarbeiter könnten entlassen werden, berichtet das US-Branchenblog Gawker. Seit Anfang Juli reißen die schlechten Nachrichten nicht ab. In der „blutigsten Woche des Jahres“ wurden rund tausend Stellen abgebaut, Verlage melden Millionenverluste, Zeitungen stehen zum Verkauf.

Newsnetz, „das bisher ambitionierste journalistische Projekt im Internet“ setzte, wie angekündigt, erste neue Standards. Am 11. August 2008, 16:17 Uhr, wurde gemeldet, dass ein „kleines Mädchen“ in Brüssel von einer Überwachungskamera gefilmt wurde („Videobilder: Ist das wirklich Madeleine McCann?„). Eingebunden in die Meldung wurde ein YouTube-Video der englischen Boulevardzeitung Sun, das offenbar veröffentlicht wurde, weil ein Sicherheitsangestellter meinte, darauf die vermisste Madeleine McCann erkannt zu haben. Doch:

Am 12. August 2008, 00:41 Uhr, die Entwarnung: „Es war nicht Maddie„. Fazit: Die neuen journalistischen Standards scheinen aus der Boulevardisierung eines weiteren Qualitätstitels sowie einer sensationell kurzen Widerufszeit einer Meldung von nur 8 Stunden und 24 Minuten zu bestehen. Allerdings: Lieber ein schneller als gar kein Widerruf. Noch lieber aber überlässt man solche Meldungen dem Boulevard (wenn man denn nicht dazu gehören möchte).

Blick Online glaubte, herausgefunden zu haben, weshalb Katie Holmes auf einem Foto nicht strahlend glücklich aussieht: Weil sie nicht die Hosen ihres Mannes Tom Cruise tragen kann. Ich glaube hingegen, sie guckt unglücklich, weil für die veröffentlichten Bilder Fotografen bezahlt wurden, die ihr ungewollt nachstellen.

RP Online machte eine 19teilige Bildergalerie, um einen Vergleich zwischen StudiVZ und Facebook zu ziehen. Punkt 17: „Ähnlichkeitsfaktor bei der Funktion Multimedialität: hoch“

Das Blog achtmilliarden.com fand heraus, dass in der Protagonist in der deutschsprachigen Verfilmung von Frédéric Beigbeders 99 Francs seine Modetipps aus der „italienischen Vogue und deutschen Vanity Fair“ bezieht.

Die New York Times korrigierte einen Fehler aus dem April 1960, eine Reporterin wurde vor laufender Kamera angeschossen und beim Sender Das Vierte gibt es offenbar reservierte Fahrradparkplätze. Die NZZ sammelte „25 Ratschläge an Roger F.„.

Der meistgeklickte „6 vor 9“-Link letzte Woche war ein Tippfehler im Fussball-Liveticker der ARD. Meist gelesen wurden die Medien-Twitter-Charts, die es sogar auf die Frontseite der Welt Kompakt geschafft haben – kein Wunder, liegt die twitternde Redaktion doch auf dem ersten Platz.