Die dicken Jungen von Seite 1

Vermutlich haben sie gestern bei „Bild“ den ganzen Tag gegrübelt, wie man mit dem leider bereits am Nachmittag durch die „Bunte“ bekannt gewordenen Tod Horst Tapperts in der heutigen Ausgabe noch Schlagzeilen machen kann (Ergebnis: „Derrick tot!“). Und für den Rest der Seite 1 blieb da dann einfach nicht mehr genügend Zeit.

Aus der DSHS-Studie:

„Die Befragungen zu sportlichen Aktivitäten zeigen, dass ein Viertel der Heranwachsenden und jungen Erwachsenen ’nie‘ beziehungsweise ’selten‘ Sport treibt. In Grafik 4 ist zu sehen, dass der Anteil sportlich inaktiver Personen über die Altersgruppen hinweg zunimmt. (…) Grafik 5 zeigt [zudem], dass nur noch 19 % der 25-jährigen Frauen und 30 % der gleichaltrigen Männer in einem Sportverein aktiv sind. Auf die Frage ‚Glauben Sie, dass Sie sich ausreichend bewegen?‘ antworten 32 % der Studienteilnehmer mit ’nein‘. (…) Für alle genannten Aspekte bestehen signifikante Geschlechtsunterschiede: Frauen geben häufiger an, ’nie‘ beziehungsweise ’selten‘ Sport zu treiben (…), kein aktives Sportvereinsmitglied zu sein (…) und sich nicht ausreichend zu bewegen (…).“

So wäre es zu erklären, dass das, was gestern – unter Berufung auf eine Studie der Deutsche Sporthochschule in Köln (DSHS) – in einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa gestanden war…

So ist unter den 25 Jahre alten Männern schon jeder zweite zu dick, 60 Prozent rauchen, ein Drittel treibt nie Sport. Rund 25 Prozent der 25-jährigen Frauen haben Übergewicht, nur noch 19 Prozent sind im Sportverein aktiv, ebenfalls rund 60 Prozent rauchen.

… von „Bild“ heute wie folgt zusammengefasst wird:

"Fast die Hälfte der jungen Männer und ein Viertel der Frauen hat Übergewicht. 60 Prozent rauchen. Nur ein Drittel (Männer) bzw. ein Fünftel (Frauen) macht regelmäßig Sport."

Der letzte Punkt jedenfalls behauptet immerhin das Gegenteil von dpa (siehe oben) und hat mit den – ohnehin bereits vor einem Monat veröffentlichten – Untersuchtungsergebnissen eigentlich nichts mehr zu tun (siehe Kasten). Aber okay, am Ende der DSHS-Studie [pdf] heißt es ja ohnehin:

Auch wenn querschnittlich mehr als 12 500 Personen (…) untersucht wurden, besteht kein Anspruch auf bundesweite Repräsentativität (…).

Oder um es mit „Bild“ zu sagen:

"Immer mehr Junge zu dick für den Job"

Mit Dank an Martin F. für den Hinweis.