Auf dem Trittbrett ganz vorn: „Bild“

Ein bisschen seltsam ist es schon, was da heute bei Bild.de über Ben Kingsley steht:
Aus Bild erfuhr ich, daß meine Frau fremdgeht
Weiter heißt es dort, „Bild“ habe „am 20. Januar über den gehörnten Oscar-Preisträger Sir Ben Kingsley“ berichtet. Und:

„Aus der Zeitung erfuhren Millionen Deutsche von der Liebelei. Und Sir Ben Kingsley selbst…

Als die Story erschien, drehte Kingsley (‚Gandhi‘) in New York. Eine Freundin wies ihn auf die Geschichte in einer deutschen Zeitung hin – über seine Ehefrau und einen Mann aus Berlin. ‚Ich war tief, tief geschockt, denn bis dahin hatte ich keine Ahnung‘, sagte Kingsley der ‚Mail on Sunday‘.“

Und seltsam ist der Bild.de-Bericht zunächst mal deshalb, weil Kingsley in der britischen Zeitung „Mail on Sunday“, auf die sich Bild.de ja ausdrücklich bezieht, die „Bild“-Zeitung mit keiner Silbe erwähnt. Stattdessen ist dort von einer „German newspaper“ bzw. „Berlin newspaper“ die Rede.

Seltsam ist Kingsleys „Aus BILD erfuhr ich“-Zitat auch deshalb, weil bereits am 17. Januar tatsächlich die in Berlin beheimatete Zeitung „B.Z.“ (übrigens wie „Bild“ ein Springer-Blatt) ein Paparazzi-Foto von Kingsleys Ehefrau Alexandra mit ihrem neuen Freund gedruckt hatte und am 19. Januar sogar ein Interview mit der Kingsley-Gattin, in dem sie sagt: „Ich habe mich von Ben getrennt.“

Die Trennungs-Story schaffte es (mit Quellenangaben wie „German tabloid BZ„) mehr oder weniger schnell in die internationale Klatschpresse und stand selbstverständlich auch in „Bild“ — am Erscheinungstag des „B.Z.“-Interviews allerdings noch als vages Gemunkel („sagt der Mann am Nachbartisch zum BILD-Reporter“), am Tag nach Erscheinen des „B.Z.“-Interviews so:

„Mit einem Zweifach-Nicken beantwortete Alexandra zwei Fragen eines ‚BZ‘-Reporters: Sind Sie getrennt? Ist Sammy Ihr neuer Freund? Nick! Nick!“

Illustriert war die „Bild“-Berichterstattung von Christiane „Ich weiß es!“ Hoffmann zudem mit besagtem Paparazzi-Foto (Bildnachweis: „BZ Exklusiv-Foto“).

Mit anderen Worten: Es wäre ziemlich unwahrscheinlich schon seltsam, wenn Kingsley von Ende seiner Ehe ausgerechnet „aus BILD erfuhr“, wie Bild.de behauptet.

Aber es wird noch seltsamer.

Anders als bei Bild.de steht nämlich in der gedruckten „Bild“-Zeitung selbst kein Wort davon, dass Kingsley irgendwas „aus BILD erfuhr“! Unter der Überschrift „Jetzt spricht der verlassene Hollywood-Star“ wird dort (vom selben Autor wie bei Bild.de) bloß der „Mail on Sunday“-Text zusammengefasst. Und zu der Frage, wie Kingsley auf „Berlins heißeste Affäre“ aufmerksam wurde, heißt es schlicht (oder perfide):

„Der Oscar-Preisträger (‚Ghandi‘) erfuhr vom Ehe-Ende (BILD berichtete) aus der Zeitung.“

Mit Dank an die Britische Botschaft Berlin für die freundliche Unterstützung.

Nachtrag, 8.2.2005:
In der heutigen „Bild“ (Berlin/Brandenburg) heißt es unter der Überschrift „Kingsley gegen Kingsley“ übrigens nur noch, Ben Kingsley habe „von der neuen Liebe erst durch ein Foto auf einer Internetseite“ erfahren. Und nach einer abermaligen, wenngleich deutlich distanzierteren Zusammenfassung des ursprünglichen „Mail on Sunday“-Artikels heißt es außerdem:

Diese Darstellung lasen gestern auch Alexandra
Kingsley und Sammy Brauner in BILD.

(Hervorhebung von „Bild“)

Nachtrag, 9.2.2005:
Mit Dank an Florian S. für den Hinweis sei hier noch nachgetragen, dass sich mitnichten nur Bild.de (wie zuerst angenommen) die seltsame „Aus BILD erfuhr ich“-Schlagzeile zusammenreimte, sondern dass sie so auch beispielsweise in Köln in der gedruckten „Bild“-Ausgabe stand.