Lobbyismus-Alarm bei „Bild am Sonntag“

Am 16. Januar meldete die „Bild am Sonntag“:

„(…) nach BamS-Recherchen stellt sich jetzt heraus: Freilandeier sind seit Jahren immer wieder mit dem krebserregenden Supergift Dioxin belastet!“

Die „BamS“ stützte ihre Behauptung auf Messergebnisse aus Bayern, dem baden-württembergischen Kehl und Niedersachsen. Und die „BamS“-Geschichte selbst wurde in quasi allen deutschen Medien weiterverbreitet.

Aber es regte sich auch Kritik – bis in den Deutschen Bundestag.

Am gestrigen Donnerstag nun widmete sich das ARD-Politmagazin „Monitor“ dem Thema und fragte:

„Was ist dran an den Zahlen, die ‚Bild am Sonntag‘ vorlegte?“

Als Antwort zitiert das Magazin u.a. den bayerischen Gesundheitsminister Werner Schnappauf mit den Worten „Die Meldung der ‚Bild am Sonntag‘ traf zu keinem Zeitpunkt zu.“ Der Kehler Bürgermeister Jörg Armbruster spricht von „Missbrauch“ und „Lobbyismus“ und „Monitor“ selbst von „schlechter Recherche“ bzw. Fakten, die offensichtlich „von der ‚Bild am Sonntag‘ verschwiegen“ wurden. Insbesondere an der Berichterstattung aus Niedersachsen, wo laut „BamS“ „sogar 28 Prozent der Freilandeier über den zulässigen 3 Pikogramm Dioxin“ lagen (vgl. hier), sei „alles vollkommen falsch“.

„Monitor“ wirft der „BamS“ vor, hinter dem „Horrormärchen mit falschen Zahlen“ stehe weniger die tatsächliche Gefahr vergifteter Freilandeier als ein für 2007 drohendes Verbot der Käfighaltung von Hühnern, das auf heftigen Widerstand der Käfighaltungslobby stößt, deren unsachliche Argumente wiederum die „BamS“ undistanziert kolportierte.

PS: Zwei Tage nach dem „Dioxin-Alarm“ der „BamS“ hieß es übrigens in einem Experten-Interview bei „Bild“:

Darf ich überhaupt noch Eier essen?
(…) Ja. Denn die gefundene Konzentration des Giftes ist zu niedrig, als daß sie zu Gesundheitsschäden im Körper führen könnte.

Und wie viele Eier pro Tag sind unbedenklich?
(…) Im Prinzip können Sie so viel essen, wie Sie wollen. Selbst bei fünf Eiern sehe ich kein gesundheitliches Risiko.“