Prostatakrebs schlägt Ian McKellen nieder

In der vergangenen Woche machte die Nachricht Schlagzeilen, dass der britische Schauspieler Ian McKellen Prostatakrebs hat. Er hatte in einem Interview mit der Boulevardzeitung "Daily Mirror" darüber gesprochen.

Es gab dann einige Verwirrung, weil McKellens Manager die Nachricht von der Krebserkrankung erst dementierte, bevor sie McKellen bestätigte:

There have been new reports in the press of the old news that I have early prostate cancer.  This was diagnosed six or seven years ago.  There is no cause for alarm.  I am examined regularly and the cancer is contained. I've not needed any treatment.

(Es gibt neue Berichte in der Presse über die alte Nachricht, dass ich Prostatakrebs in einem frühen Stadium habe. Das ist vor sechs oder sieben Jahren diagnostiziert worden. Es gibt keinen Anlass zur Beunruhigung, und der Krebs breitet sich nicht aus. Ich musste nicht behandelt werden.)

Tatsächlich scheint McKellen auch vorher schon aus der Krebserkrankung kein Geheimnis gemacht zu haben. Sie wurde zum Beispiel beiläufig in einem "Guardian"-Artikel über ihn im August 2011 erwähnt.

Medien in aller Welt behandelten die Sache dennoch als spektakuläre Enthüllung, die sie mal der "Daily Mail" und mal der "Sun" zuschrieben. Am verwirrtesten aber war die deutsche "Welt", die in ihrer Online-Ausgabe nicht nur — vermutlich aus Gründen der Dramatik — so tat, als sei der Krebs bei McKellen gerade erst festgestellt worden. Sie schrieb außerdem:

Der 73-Jährige sagte während der London-Premiere seines neuen Films "Der Hobbit" merklich niedergeschlagen: "Wenn du eine solche Nachricht bekommst, dann schluckst du erstmal."

Ach? Auf der London-Premiere, die zu dem Zeitpunkt, als die "Welt" den Artikel veröffentlichte, noch nicht einmal stattgefunden hatte? Die Information, dass McKellen dabei "merklich niedergeschlagen" wirkte, muss entsprechend eine Erfindung der "Welt" sein. McKellen hatte sich in einem Interview Tage vorher geäußert.

In dem Artikel der "Sun", auf den sich die "Welt" beruft (was ohnehin vielleicht nicht die beste Idee ist), steht all das nicht falsch.

Nachtrag, 21:00 Uhr. Die "Welt" hat ihren Artikel nun umgearbeitet und etwas hinzugefügt, was man leicht mit einer transparenten Korrektur verwechseln könnte:

Liebe Leser, aufgrund der geänderten Nachrichtenlage und mehreren Leserhinweisen haben wir die Originalversion des Artikels überarbeitet und angepasst.

Das ist grob irreführend. Die Fehler, die die "Welt" gemacht hat, waren keiner anderen "Nachrichtenlage" geschuldet, sondern ausschließlich der eigenen Unfähigkeit oder dem eigenen Unwillen, korrekt zu berichten.

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