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Brennende Phantasie

Am vergangenen Mittwoch hat sich ein Mann in einem Kölner Supermarkt mit Benzin übergossen und selbst angezündet. Er wurde lebensgefährlich verletzt.

Viele Medien berichten seitdem über den Fall. Vermutlich sind es die besonderen Begleitumständen der Tat – insbesondere die Tatsache, dass der Mann auch andere Menschen in Gefahr gebracht hat –, die aus Sicht der Journalisten eine Berichterstattung rechtfertigen.

Einige Medien hielten sich dabei sogar (mehr oder weniger) an das, was der Presserat und Psychologen seit Jahren immer wieder fordern, nämlich zurückhaltend über (versuchte) Suizide zu berichten.

"Bild" gehörte nicht dazu.

Die Zeitung schilderte nicht nur sämtliche Details der Tat, sondern zeigte auch ein nicht unkenntlich gemachtes Foto des Mannes beim Kauf des Benzins. Dazu werden im Text sein Vorname sowie weitere Einzelheiten aus seinem Privatleben genannt.

Und dann war da noch das:

Mann zündet sich in Supermarkt an

So sah die Seite drei der "Bild"-Bundesausgabe vom letzten Freitag aus.

Und so die Startseite von Bild.de:

Mann zündet sich in Supermarkt an

Warum tut sich das ein Mensch an?

Bei "Bild" ist das eine gängige Masche, vor allem bei tödlichen Unfällen, Morden und anderen brutalen Geschichten: Wenn die Redakteure schon kein grausames Foto auftreiben können, lassen sie eben eine grausame Zeichnung anfertigen.

All denjenigen, die sich nicht vorstellen können, wie eine Kinderleiche oder ein brennender Mann aussehen, hilft "Bild" also nach. Ob sie wollen oder nicht.

Mit Dank auch an David und Afra.

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