Pervers

Schlägt man im Wörterbuch der deutschen Sprache den Begriff „pervers“ nach, findet man dies:

per|vers [Adj. , –er, am perversesten] 1 widernatürlich, geschlechtlich unnormal empfindend 2 [ugs.] unnatürlich; er hat eine ~e Freude am Boxen 3 [ugs.] abscheulich, gemein, unerträglich; faule Eier stinken p. [lat . perversus „verkehrt, umgedreht“, zu pervertere „umkehren, umstürzen, verderben“, per… „ganz, völlig“ und vertere „wenden“]

Bezieht man sich auf die dritte, umgangssprachliche Bedeutung, dann ist sicherlich jeder Mörder pervers, nämlich abscheulich. Dann müsste man das allerdings so wenig hinschreiben, wie bei einem Schimmel die Tatsache, dass er weiß ist. Für „Bild“ aber ist der mutmaßliche Mörder von Moshammer nicht einfach ein „Mörder“, er ist ein „perverser Mörder“. Und so sieht das aus:

Weil im zugehörigen Artikel keineswegs davon die Rede ist, dass sich der Täter in irgendeiner Weise sexuelle Befriedigung durch die Tat verschaffte, gibt es nun drei Möglichkeiten, warum „Bild“ diesen Mörder „pervers“ findet:

1.) Er ist pervers, weil er Asylant ist.
2.) Er ist pervers, weil er Pornos guckt.
3.) Er ist pervers, weil er viel Geld für Sex nimmt.

Ach, und eine weitere gibt es natürlich noch:

4.) Er ist pervers, weil „Bild“ das Wort „Mörder“ so inflationär gebraucht, dass es für sich allein gar nicht mehr richtig schlimm wirkt. Und die Begriffe „Bestie“ und „Monster“ sind ja im Moment schon von einem anderen mutmaßlichen Mörder belegt.