Voll vergeigt

Vielleicht erkennt man eine Qualitätszeitung auch daran, dass sie irgendwelche Dinge, die irgendjemand irgendwo behauptet, nicht einfach ungeprüft abschreibt und dann noch zu großen Schlagzeilen aufbläht.

Der „Tagesspiegel“ veröffentlichte am Dienstag ein Interview mit ARD-Programmdirektor Günter Struve, das wie folgt endet:

Die ARD sendet am alles entscheidenden 31. Dezember den unschlagbaren „Silvesterstadl“ mit Karl Moik. (…) Im ZDF: „Die große André-Rieu-Silvestergala“. Eine Kampfprogrammierung?

Struve: Aber natürlich. Der Rieu ist jetzt völlig neu draufgesetzt worden, weil das ZDF gesehen hat, dass es mit fiktionalen Programmen nicht hat landen können.

bild.de macht daraus:

Neuer Zoff zwischen ARD und ZDF
TV-Krieg um Silvester!
(…)

Ist das denn die Möglichkeit? Der TV-Krieg eskaliert.

Schon wieder streiten sich ARD und ZDF ums Programm. Nach Gottschalk gegen Schmidt, Kerner gegen Christiansen – jetzt das nächste Kapitel. Das ZDF sendet am Silvester-Abend Walzerkönig André Rieu gegen Mr. Musikantenstadl Karl Moik im Ersten.

Es hätte keiner großen Recherche bedurft, um herauszufinden, dass „Die große André-Rieu-Silvester-Gala“ keineswegs erst seit kurzem im ZDF-Programm eingeplant ist, sondern schon in allen Programmzeitschriften steht, die Wochen vor dem Sendetermin Redaktionsschluss haben.

Und hatte es nicht vorher schon erste, klitzekleine Anzeichen dafür gegeben, dass das ZDF womöglich im Jahr 2004 mit André Rieu als „Kampfprogrammierung“ gegen den „Silvesterstadl“ in der ARD vorgehen könnte? Was lief im vergangenen Jahr an Silvester im ZDF? „Die große André-Rieu-Silvester-Gala“.

Und was setzte das ZDF im Jahr 2002 gegen den „Silvesterstadl“ der ARD? „Die Große André-Rieu-Silvester-Gala“.

Und an Silvester 2001? „André Rieu in Wien“.

An Silvester 2000? „André Rieu in der Royal Albert Hall“.

Kampfprogrammierungen soweit das Auge reicht. Und „Bild“ geht einem Blödsinn redenden ARD-Programmdirektor voll auf den Leim.