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Artikel zu produzieren, die kommerzielle und journalistische Interessen vermischen, inaktuell sind oder fehlerhaft, das gehört bei „Bild“ zum täglichen Alltag. Manchmal aber packt auch die „Bild“-Redakteure der Ehrgeiz. Dann strengen sie sich richtig doll an und produzieren ein Stück, das alles gleichzeitig enthält. Ein inaktuelles, fehlerhaftes Stück Schleichwerbung quasi.

Und das in einem Artikel, das weniger als 50 Wörter lang ist. Es geht um den heutigen „Gewinner des Tages“:

Er macht das Fernsehen in Deutschland wieder spannend: Manuel Cubero (41), Vizepräsident Digital TV bei Kabel Deutschland, bringt 30 neue Sender auf unsere Bildschirme! Für nur 9 Euro/Monat können Kabelnutzer die neuesten Hollywood- und Disney-Streifen sehen. Dazu Doku-Filme, „Playboy-TV“ und „BibelTV“.

BILD meint: Besser als ständige Wiederholungen!

Erstens. Sinn des Textes ist es offensichtlich, freundlich darauf hinzuweisen, dass ein kommerzielles Unternehmen ein bestimmtes Produkt zum Kauf anbietet. Solche Texte nennt man gemeinhin nicht „Artikel“, sondern „Anzeigen“ und nicht „Journalismus“, sondern „Werbung“. Zeitungen haben nach dem Pressekodex dafür Rechnung zu tragen, dass man das eine vom anderen unterscheiden kann. Das gilt auch für „Bild“.

Zweitens. Das Angebot „Kabel Digital HOME“, das in „Bild“ beschrieben wird, ist kein neues Angebot, sondern besteht seit fast einem Vierteljahr. Am 27.09.2004 hatte Kabel Deutschland seine Einführung bekannt gegeben. Mitte November bereits hatte (wie berichtet) bild.de in einer Anzeige in einem Artikel darüber berichtet dafür geworben.

Drittens. Kabel Deutschland bringt keineswegs „30 neue Sender“ auf unsere Bildschirme. Bei den Sendern handelt es sich zum Teil um längst bestehende Programme wie 13th Street, Sci Fi, Planet und Bibel-TV. Kabel Deutschland selbst wirbt aus guten Grund nicht mit 30 „neuen“, sondern „zusätzlichen“ Kanälen.

Viertens. Im 9-Euro-Paket von Kabel Deutschland laufen keineswegs die „neuesten Hollywood- und Disney-Streifen“. Als seine Weihnachtshighlights bezeichnet Kabel Deutschland selbst die Filme Jurassic Park I bis III (1998 bis 2001) und „Der letzte Kaiser“ (1987).

Fünftens. „Bild“ schreibt, das Programm sei „besser als ständige Wiederholungen“. Tatsächlich besteht es im Wesentlichen aus ständigen Wiederholungen. Der Kanal „Kinowelt TV“ z.B. zeigt „legendäre Hollywoodstreifen“, „Klassiker“ und „Spielfilmhighlights aus einer der größten Filmbibliotheken Deutschlands“. „BBC Prime“ wiederholt beliebte BBC-Programme. Der Sci-Fi-Kanal wiederholt im Dezember 6 „Star Trek“-Filme. Kein Kanal im Paket zeigt auch nur annähernd so wenige Wiederholungen wie ARD, ZDF, RTL, Sat.1 und Pro Sieben.

Fazit: Da muss aber richtig was schief gelaufen sein bei „Bild“. Denn es wäre ja undenkbar, dass man sich als Unternehmen die anlasslose Erklärung zum „Gewinner des Tages“ in „Bild“ einfach erkaufen kann. Und dass man die Fehler quasi gleich mitkauft, durch die das Angebot in einem noch besseren Licht als in der eigenen Werbung dasteht. Und dass man sich sogar den Zeitpunkt der Erwähnung noch aussuchen kann: aus journalistischer Sicht verspätet, aber gerade noch rechtzeitig zum Weihnachtsfest.