„Bild“ erzählt einen vom trojanischen Pferd

Sollte es in absehbarer Zeit zu einem Krieg zwischen Deutschland und Griechenland kommen, kann man den Leuten von „Bild“ nicht vorwerfen, nicht alles dafür getan zu haben: Erst hetzen sie seit zwei Jahren gegen die „Pleite-Griechen“, jetzt haben sie sich auch noch auf ein Terrain vorgewagt, bei dem viele Menschen noch weniger Spaß verstehen als bei drohenden Staatspleiten — Fußball.

Der trojanische BILD-Reporter im Griechen-Hotel

Und so klingt es, wenn sich so ein „Bild“-Reporter in einem polnischen Hotel frei bewegt:

Ich fühle mich wie 007.

Ich, der BILD-Reporter, spioniere bei den Griechen, unseren Gegnern am Freitag.

Nein, wir wussten auch nicht, dass die Griechen am Freitag gegen die Redaktionsmannschaft von „Bild“ spielen. Aber vielleicht ist das Gefühl, „ganz Deutschland“ zu sein, bei „Bild“-Mitarbeitern genauso tief verwurzelt wie ihre Boshaftigkeit gegenüber den Griechen:

Am Dienstag ziehe ich ein. Mein Doppelzimmer kostet 93 Euro pro Nacht. Lobenswert sparsam, die Griechen.

Überhaupt wirkt der ganze Text wie eine traurige Mischung aus dem Worst-Of-Programm von Fips Asmussen und dem Aufsatz „Mein schönstes Ferienerlebnis“ eines Grundschülers:

Am härtesten arbeitet bei den Griechen die Kaffeemaschine. Sie haben zwei davon in ihrem Bereich. Eine kann Cappuccino und Latte Macchiato, die andere normalen Kaffee. Sie arbeiten Vollzeit.

Ja, Kaffee wäre jetzt wirklich hilfreich, so unspannend wie die Erlebnisse aus dem Mannschaftshotel sind:

Ich sehe Theofanis Gekas (32), den Stürmer aus der Bundesliga (Bochum, Leverkusen, Hertha, Frankfurt). Gekas hat Kopfhörer in den Ohren, hört Musik über sein iPhone. Der singt sich schon heiß aufs Spiel.

Fast wäre beinahe etwas vielleicht passiert:

Mit meinem Handy mache ich Fotos. Plötzlich tippt mich der Barkeeper an. Er will wissen, wer ich bin. Ist meine Zahnarzt-Tarnung (weißes Hemd, weiße Hose, weiße Turnschuhe) aufgeflogen? Ich schwitze. Cool bleiben. Ich tue so, als sei ich aus Russland und murmele „nix kappitschi“. Der Barkeeper zieht Leine. Puh…

Dann aber doch noch etwas, das überraschend zum Skandal taugt:

Plötzlich schreit jemand im Hinterhof. Ich renne hin, schaue um die Ecke und sehe Georgios Karagounis. Der ist 35 und Kapitän der Griechen. Er schreit in Disco-Lautstärke in sein Handy. Jedes zweite Wort ist „Malaka“. Ein griechischer Freund bringt mir bei, dass „Malaka“ auf Deutsch so etwas heißt wie „Leck mich am Arsch“.

Den Brüller sehen wir am Freitag nicht auf dem Platz. Malaka-Karagounis ist gesperrt.

Derlei schnarchige Belanglosigkeiten, bemüht aufgeregt erzählt, haben offenbar dennoch ausgereicht, dass einzelne griechische Medien über den „Bild“-Reporter im Mannschaftshotel berichten.

Oder, wie Bild.de es nennt:

Griechenland tobt!

Die Reaktionen scheinen aber vor allem einem Missverständnis geschuldet:

Auf der Homepage des griechischen TV-Senders „Star“ steht: „Neue Provokation der BILD. BILD nennt Karagounis einen Malaka.“

In dem Bericht heißt es weiter: „Im Hotel der geliebten Nationalmannschaft ist ein deutscher Reporter der BILD eingedrungen und setzt seine Provokationen gegen das Spiel fort. Höhepunkt ist: Er nennt Karagounis einen Malaka – ein Arschloch.“ Ein Missverständnis durch eine unglückliche Formulierung in BILD: Die Formulierung „Malaka-Karagounis“ sollte keine Beleidigung des Griechen-Kapitäns sein („Malaka“ bedeutet unter anderem Wi…er)! Sondern ein Spitzname, weil Karagounis bei seinem Telefonat häufig „Malaka“ sagte. BILD bedauert das Missverständnis.

Was halt so passiert, wenn skandalwillige Beinahe-Journalisten auf beiden Seiten mit erhöhtem Blutdruck mit Fremdsprachen hantieren.

Dieses internationale Doppelpass-Spiel könnte bis zum Viertelfinalspiel am morgigen Abend so weitergehen, wenn der „trojanische BILD-Spion“, dessen Gesicht die Zeitung verpixelt hat, nicht vorher auffliegt.

Nach unseren Informationen handelt es sich bei dem Mann um Jörg Weiler, der sonst bei Borussia Dortmund für „Bild“ im Einsatz ist und dort unter anderem an der unrühmlichen Berichterstattung über einen im Stadion tödlich verunglückten Fan beteiligt war.

In Troja gewannen damals übrigens die Griechen, wie sogar „Bild“ richtig erklärt.

Mit Dank auch an Martin E., Michael, Dietfried D. und Ernst R.