Eine Zensur, die nicht stattfand, findet nicht statt

„Über jeden Erfolg muss mit dem Zuschauer
stets neu verhandelt werden.“ (Bernd Gäbler)

Aber vergessen wir mal kurz den nichtigen Anlass und fassen zusammen: Zwei Tage hintereinander erschien „Bild“ mit ebenso riesigen wie irreführenden Titelgeschichten zum selben Thema (bzw. machte aus einem inszenierten und irreführend wiedergegebenen Sachverhalt Schlagzeilen). Einzige Grundlage für die ganze Aufregung: die Formulierung „BILD erfuhr“ und das Wörtchen „angeblich“, sonst nichts. Zwei Tage später dann sagen die von „Bild“ sinnloserweise Angeprangerten in „Bild“:

„Das Echo auf die BILD-Berichte war so überwältigend, daß…“

Mit anderen Worten:
Ausriss: mediapilot.de, Text: BILD wirkt!
 
Oder etwa nicht? Schließlich zeigt der zur ProSiebenSat.1 Media AG gehörige, kommerzielle TV-Sender Sat.1 in seinem Zweiteiler „Schöne Witwen küssen besser“ nun also doch eine kurze Szene, in der die Schauspielerin Sophie Schütt unbekleidet an einem Pool entlangschlendert und die laut „Bild“ einer vermeintlichen „Nackt-Zensur“ zum Opfer gefallen wäre, laut Sat.1 jedoch bloß „für die Handlung nicht so wichtig“ war.

Doch wenn es beim werbefinanzierten Programmanbieter Sat.1 heißt, der Sender wolle damit „dem Wunsch der Zuschauer gerne nachkommen“, will man gar nicht erst spekulieren, wer sich dabei wohl alles hinter wessen Rücken ins Fäustchen lacht. Der Axel Springer Verlag jedenfalls, in dem „Bild“ erscheint, ist mit 11,48 Prozent an der ProSiebenSat.1 Media AG beteiligt. Eine Zensur hingegen findet nicht statt.