AFP  

Agentur rechnet sich einen Bruch

Vom Fußballer Horst Szymaniak ist die Legende überliefert, dass er bei Vertragsverhandlungen erklärt haben soll, er wolle nicht ein Drittel mehr Gehalt, sondern „mindestens ein Viertel“. Ob wahr oder nicht: Diese Geschichte lehrt, dass bei der Bruchrechnung Vorsicht geboten ist.

Und damit zu der höchst umstrittenen Verfassungsänderung in Ungarn. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete gestern dazu:

Die Regelung sieht vor, dass für Gesetze, die im Schnellverfahren verabschiedet werden, künftig nicht mehr eine Dreifünftel-, sondern nur noch eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich ist.

In Prozentwerte umgerechnet hieße das, dass für Gesetze, die im Schnellverfahren verabschiedet werden, künftig nicht mehr eine 60-Prozent-, sondern „nur noch“ eine 66,6-Prozent-Mehrheit erforderlich wäre. Nur: Warum sollte sich die rechtskonservative Regierungspartei, die im Parlament eine Zweidrittel-Mehrheit hält, die Arbeit unnötig erschweren?

Tatsächlich sieht die Situation ganz anders aus:

Die Neufassung bedeutet, dass zukünftig eine Zweidrittelmehrheit anstelle einer Vierfünftelmehrheit erforderlich ist, um Gesetze per Eilverfahren in zwei Tagen zu verabschieden (…).

(Übersetzung von uns.)

Der AFP-Fehler findet sich auch bei n-tv.de, n24.de und handelsblatt.com. sueddeutsche.de und „Zeit Online“ haben ihn verschlimmbessert, indem sie naheliegenderweise annahmen, statt einer Zweidrittel- sei nun eine Dreifünftelmehrheit erforderlich.

Mit Dank an Michael H.

Nachtrag, 14.10 Uhr: „Zeit Online“ hat den Fehler transparent korrigiert.

2. Nachtrag, 21. Dezember: n-tv.de und n24.de haben den Fehler auf unterschiedliche Weise korrigiert.