Weniger ist mehr

Die Onlineauftritte der „Thüringischen Landeszeitung“ und der „Thüringer Allgemeinen“ vermelden heute:

Mehr Jugendliche landen mit Vollrausch im Krankenhaus.  Junge Männer werden im Freistaat nach Alkoholmissbrauch häufiger als Frauen in die Klinik eingeliefert. In Thüringens Krankenhäusern wurden vergangenes Jahr mehr Jugendliche wegen Alkoholproblemen behandelt. Dies teilte das Landesamt für Statistik am Dienstag in Erfurt mit.

Sie haben dafür eine Meldung des Thüringer Landesdienstes der Nachrichtenagentur dapd aufbereitet, die folgendes besagte:

Krankenhäuser behandeln mehr Jugendliche wegen Alkoholproblemen

Erfurt (dapd-lth). Wegen Alkoholproblemen sind im vergangenen Jahr mehr als 100Jugendliche unter 15 Jahren stationär im Krankenhaus behandelt worden. Dabei wurden ungefähr gleich viele Mädchen wie Jungen eingeliefert, wie das Landesamt für Statistik am Dienstag in Erfurt mitteilte. Die Zahl lag leicht über dem Vorjahreswert. (…)

Die Behauptung, die Zahl habe „leicht über dem Vorjahreswert“ gelegen, und die Überschrift sind schlicht falsch.

Wie aus der Pressmitteilung des Thüringer Landesamts für Statistik (PDF) hervorgeht, wurden im vergangenen Jahr 103 Jugendliche unter 15 Jahren „alkoholbedingt“ in Thüringer Kliniken behandelt — immerhin zwei weniger als im Jahr 2009. Auch bei den Patienten zwischen 15 und 30 Jahren sank die Zahl der alkoholbedingten Behandlungen leicht von 1.667 auf 1.625, bei denen zwischen 30 und 40 immerhin von 1.613 auf 1.546.

Den mit 59,7 Prozent deutlich größten Anteil machten die 40 bis 60-Jährigen aus. Ihr Wert stieg auch von 6.985 auf 7.130.

Auch kann man aus der Statistik nicht ohne weiteres ablesen, wie viele Patienten welcher Altersgruppe „im Vollrausch“ in die Thüringer Krankenhäuser eingeliefert wurde. Das Thüringer Landesamt für Statistik schreibt dazu:

Häufigster Anlass für einen alkoholbedingten Krankenhausaufenthalt waren die so genannten psychischen und Verhaltensstörungen. Dazu gehören vor allem das Abhängigkeitssyndrom, das Entzugssyndrom und der akute Rausch. In 9 734 Fällen (81,4 Prozent) wurden im Jahr 2010 diese Krankheitssyndrome behandelt. Mehr als ein Fünftel (2 130 Personen bzw. 21,9 Prozent) davon waren Frauen. In 3 352 Fällen wurde das Abhängigkeitssyndrom, in 2 520 Fällen das Entzugssyndrom und in 3 025 Fällen der akute Rausch diagnostiziert.

Richtig wäre also die Überschrift gewesen:

Ungefähr gleich viele Menschen unterschiedlicher Altersgruppen landen mit verschiedenen Alkoholproblemen im Krankenhaus

Aber das klingt natürlich nicht so geil.

Mit Dank an André.