Bushido oder die Kunst, einen Tweet zu lesen

Der Online-Auftritt der „Süddeutschen Zeitung“ macht sich Sorgen:

Bushido selbst reagierte auf den Protest mit einer Twitter-Nachricht: "Die Grünen und der LSVD regen sich darüber auf, dass ich den Bambi bekomme... Wie erbärmlich... Kümmert euch mal..."  Problematisch ist dabei vor allem der letzte Teil seiner Botschaft, denn das "Kümmert euch mal..." kann von Bushidos Fans auch als Aufruf zum gewalttätigen Vorgehen gegen Protestierer verstanden werden.

Nun weiß man nicht, was die Anhänger Bushidos so verstehen, im Zweifel jedoch an dieser Stelle mehr als die Journalisten von sueddeutsche.de. Denn am Ende des zitierten Tweets von Bushido steht noch ein Link. Der führt zu einem Artikel, in dem Bild.de ein „mildes Urteil“ gegen einen Mann kritisiert, der seine Stieftochter sexuell missbraucht hat. Auf Facebook (wo es keine Beschränkung auf 140 Zeichen gibt) geht Bushidos Satz auch noch weiter:

Kümmert euch mal lieber um diese Tatsachen ihr Heuchler….

Mit anderen Worten: Bushido sagt, die Menschen sollen lieber etwas gegen Kinderschänder tun, anstatt ihn zu kritisieren.

Darauf hat auch schon ein Kommentator unter dem Artikel auf sueddeutsche.de hingewiesen. Aber wer als Journalist Internet-Kommentare liest, kann ja auch gleich auf Links klicken.

Mit Dank an Yorrik B.!

Nachtrag, 13. November: sueddeutsche.de hat den Artikel gestern um einen etwas konfusen Absatz ergänzt:

Auf Bushidos Seite bei Facebook war das Statement noch ein Stück länger, dort endet es mit „…Kümmert euch mal lieber um diese Tatsachen ihr Heuchler….“ Dann folgt (wie auch schon bei Twitter) ein Link zu einem Text von Bild.de, der ein mildes Gerichtsurteil gegen einen Mann in Braunschweig anprangert, der seine Tochter missbraucht hat. Hier kann die Bushido-Mitteilung so gelesen werden, dass er dazu auffordert, gegen solche Urteile vorzugehen anstatt gegen den Bambi für ihn zu protestieren. Das Gerichtsurteil in Braunschweig hat zwar nichts mit der Frage zu tun, ob ein Bambi für Bushido gerechtfertigt ist. Aber das Herstellen eines solchen Zusammenhangs zeigt die Art, und Weise wie Bushido versucht, öffentliche Meinung zu machen.

Unter dem Artikel steht nun diese „Anmerkung der Redaktion“:

In einer ersten Fassung des Textes wurde nur die zitierte Twitter-Nachricht von Bushido berücksichtigt, nicht aber die längere Fassung bei Facebook. Dank bildblog.de konnte der Punkt in die neue Fassung des Textes eingearbeitet werden.

Wer als Journalist Internet-Kommentare liest, kann also tatsächlich auch gleich auf Links klicken.