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BILDblog-Lesen kann sich lohnen

In einem Interview, das er dem Internetportal „Meedia“ gegeben hat, lässt sich „Bild“-Chef Kai Diekmann gestern mit den abfällig gemeinten Worten zitieren, er wisse gar nicht, wann er das letzte Mal ins BILDblog „hineingeschaut“ habe.

Letzten Samstag wäre zum Beispiel eine schöne Gelegenheit gewesen, auch wenn es da gar nicht um „Bild“ ging. Da haben wir nämlich über die Leute von kicker.de berichtet, die geschrieben hatten, der deutsche Nationalspielers Mesut Özil sei bei einem Spiel mit einem Gegenspieler aneinandergeraten, weil dieser Özils Religion beleidigt habe. kicker.de hatte das angebliche Zitat aus einer unseriösen Quelle, den Artikel aber sofort offline genommen, nachdem wir die Redakteure darauf hingewiesen hatten, dass es keinen brauchbaren Beleg für diese Version gibt. (Bei sport1.de, das sich auf kicker.de beruft, und dem „Trierischen Volksfreund“, der sich auf sport1.de beruft, steht der Unfug immer noch online.)

Wenn Kai Diekmann den BILDblog-Eintrag zu diesem Fall gelesen hätte, hätte er unter Umständen verhindern können, dass Ertuğrul Özkök, „der berühmteste Journalist der Türkei“, heute in seiner Kolumne in „Bild“ schreibt:

Özil hat den Grund erklärt: „Ich saß auf der Ersatzbank. Villa hat meine Religion beleidigt. Ich habe nur meine Religion verteidigt.“

Özköks ganzer „Bild“-Text über Religion, Staatsbürgerschaft und Toleranz baut auf dem falschen Zitat Özils auf. Das wäre nicht nötig gewesen.

Nachtrag, 18.55 Uhr: Der „Trierische Volksfreund“ hat seinen Artikel „Özil rechtfertigt sich: Villa hat den Islam beleidigt“ unauffällig durch einen anderen Artikel zu Özils roter Karte ersetzt.

2. Nachtrag, 28. August: sport1.de hat seinen Artikel gelöscht. Jetzt verbreitet nur noch Bild.de in Özköks Kolumne das falsche Özil-Zitat.