Daily Mail, Wikileaks, Geisteswissenschaftler

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Sherlock Holmes und die Mormonen von Virginia“
(scilogs.de, Anatol Stefanowitsch)
Verschiedene Medien berichten aufgeregt von „Zensur“ und „Leseverbot“, weil in Albemarle County, Virginia, ein Buch von der Lektüreliste der sechsten Klasse gestrichen wird und „erst ab der zehnten Klasse zur Lektüre empfohlen“ wird. „Die Anti-PC-Hysterie ist weit fortgeschritten, wenn man das ernsthaft als ‚Verbot‘ des Buches, oder auch nur als ‚Verbannung vom Lehrplan‘ bezeichnet.“

2. „#Journalist 2.0“
(nzz.ch, Stephan Weichert)
Stephan Weichert fragt, was die „Social-Media-Revolution“ dem Journalismus bisher wirklich gebracht hat – „ausser zusätzliche Vernetzung, massive Eigenwerbung und die ‚Veredelung‘ journalistischer Beiträge durch Gefällt-mir-Knöpfe und Re-Tweets? War das, wenn es irgendwann vielleicht vorbei sein sollte, nicht ein Medien-Hype, ohne den richtigen Kick, der uns handwerklich und intellektuell weitergebracht hätte?“

3. „Das Verdienst von Wikileaks“
(notes.computernotizen.de, Torsten Kleinz)
Wikileaks habe „allerhand Gutes bewirkt“, schreibt Torsten Kleinz: „Verlage und Sender, die sich immer mehr damit begnügten Sprechblasen von widerstreitenden Parteien in einem ewig währenden Sommerloch aufeinander treffen zu lassen, wurden daran erinnert, wie wichtig es doch ist, Themen an die Öffentlichkeit zu bringen.“

4. „AP zog manipuliertes PR-Foto von Vilniuser Bürgermeister zurück“
(derstandard.at)
Santiago Lyon, Fotochef der Nachrichtenagentur AP, beklagt sich über „ein als PR-Gag aufgenommenes Foto mit dem Bürgermeister von Vilnius“ (BILDblog berichtete): „Ein manipuliertes Foto zur Verfügung zu stellen ohne darüber zu informieren, dass es manipuliert ist, sei nicht akzeptabel. Es sei ‚völlig daneben‘, Agenturen mit Bildbearbeitungsprogrammen bearbeitetes Material anzubieten da es irreführend sei und die Glaubwürdigkeit der Medien untergrabe.“

5. „The Daily Mail knowingly and commercially used my photos despite my denying them permission“
(wonderlandblog.com, Alice, englisch)
Eine Mitarbeiterin von „Daily Mail“ fragt per E-Mail nach den kommerziellen Nutzungsrechten für ein Foto. Diese werden ihr verwehrt, nachdem 250 Pfund für wohltätige Zwecke als zu hoch eingeschätzt werden („your listed price far exceeds our budget“). Das Foto erscheint trotzdem.

6. „Liebe Geisteswissenschaftler“
(mspr0.de)
„Ich habe ein Problem mit Euch, dem denkfaulen, behäbigen und selbstgerechten Personal, das bräsig in der Uni sitzt, Paper über über Themen schreibt, die keinen interessieren und die keiner liest, während die Welt sich rasant verändert.“