Ansporn zum Ausweiden

Vergangenen Samstag berichtete „Bild“ über die 23-jährige Sara, über ihr Leben, ihre Magersucht und ihren Tod. Sara starb im März dieses Jahres, woran genau ist bislang unklar.

"Magersucht: Als Sara (23) starb, wog sie nur noch 29 Kilo"Die „Bild“-Zeitung ist nicht von sich aus auf diese Geschichte gekommen, die sie großzügig mit Fotos des toten Mädchens bebildert (siehe Ausriss). Sie hat sie aus dem „Tagesspiegel“, der am Freitag einen längeren Nachruf auf Sara veröffentlichte. „Bild“ schrieb:

Die Berliner Zeitung „Der Tagesspiegel“ veröffentlichte mit Zustimmung der Eltern die erschütternde Geschichte von Sara L.

Das ist ein entlarvender Satz. Er zeigt, dass „Bild“ es offenbar nicht für eine Selbstverständlichkeit hält, die Zustimmung der Eltern einzuholen, bevor man über das Leben und den Tod ihres Kindes berichtet. Im Gegenteil. Nach unseren Information kann man den Satz noch ergänzen: Anders als die Berliner Zeitung „Der Tagesspiegel“ berichtet „Bild“ nicht nur ohne Zustimmung der Eltern über die „erschütternde Geschichte von Sara L.“, sondern sogar gegen deren ausdrücklichen Willen.

„Bild“-Mitarbeiter haben nämlich offenbar den Eltern nach Erscheinen der Geschichte im „Tagesspiegel“ aufgelauert und versucht, sie zur Zusammenarbeit zu bewegen, um eine eigene Geschichte machen zu können. Doch die Eltern lehnten ab und sprachen nicht mit „Bild“.

Woraufhin die „Bild“-Zeitung beim „Tagesspiegel“ nachfragte, ob sie die Geschichte nachdrucken dürfe. Der „Tagesspiegel“ jedoch lehnte – nach Rücksprache mit den Eltern – ebenfalls ab. Die Eltern wollten überhaupt nicht, dass etwas über ihre Tochter in „Bild“ erscheint.

Diese doppelte Ablehnung war für „Bild“ offenbar erst recht Ansporn. „Bild“ veröffentlichte die Geschichte nicht nur trotzdem, sie bebilderte sie auch, wie gesagt, großzügig mit Fotos des toten Mädchens, die „Bild“ wohl von Internetseiten wie SchülerVZ oder StudiVZ geklaut haben dürfte (der Foto-Nachweis lautet: „Internet“). Nach unseren Informationen jedenfalls haben weder Saras Eltern noch Freunde von ihr die Fotos an „Bild“ weitergegeben.

Und egal, was an der „Bild“-Geschichte unrechtmäßig ist und was nur moralisch fragwürdig: Widerwärtig ist sie in jedem Fall.