ODER AUCH NICHT

Einen unverhofften Einblick in die Arbeitsweisen von Medien gewährt heute – mutmaßlich unabsichtlich – die Webseite der „Süddeutschen Zeitung“:

ACHTUNG!!!!! JE NACH ENTSCHEIDUNG DER UNESCO-KOMMISSION MUSS DER EINSTIEG GEÄNDERT WERDEN - ERSATZFRAGE GANZ UNTEN (GGF: HERAUSNEHMEN; FALLS BEWERBUNG ERFOLGREICH WAR!) + DACHZEILE ÄNDERN und bitte auch in der Reise-Biga die Unesco-Stellen aktualisieren/konkretisieren. DANKe

Offensichtlich schon lange bevor die Unesco am Abend verkündet hat, das Fagus-Werk im niedersächsischen Alfeld (das Erstlingswerk des späteren Bauhaus-Gründers Walter Gropius) zum Weltkulturerbe zu ernennen, hatte sueddeutsche.de ein Interview mit Ernst Greten geführt, dem heutigen Chef der Schuhleistenfabrik.

Die Redakteure waren dabei auf alle Eventualitäten vorbereitet:

Nun hat die Unesco-Kommission entschieden, es ODER AUCH NICHT als Welterbe für die Menschheit zu bewahren.

Der Schusseligkeit der sueddeutsche.de-Redakteure ist es zu verdanken, dass die Nachwelt jetzt nicht nur weiß, was Ernst Greten zu der Entscheidung sagt („Ich bin stolz, dass wir es bis dahin geschafft haben“), dass seine Fabrik jetzt Weltkulturerbe wird, sondern auch, was er gesagt hätte, wenn seine Fabrik nicht (bzw. NICHT) Weltkulturerbe geworden wäre:

EINSTIEGSFRAGE; falls das Fagus-Werk NICHT Welterbe wird:

sueddeutsche.de: Herr Greten, Ihr Fabrikgebäude galt als aussichtsreichster deutscher Kandidat auf den Unesco-Titel - und hat ihn nun doch nicht erhalten. Lassen Sie sich davon entmutigen?

Greten: Das ist kein Beinbruch! Es ist eine große Ehre, dass wir so weit gekommen sind. Die deutschen Gremien haben uns alle positiv beurteilt und das Fagus-Werk für würdig befunden, sich um den Welterbe-Titel zu bewerben. Wenn letztlich eine Höhlenzeichnung in Namibia als wichtiger erachtet wird, ist das nur eine Bewertungsfrage, das kann man so oder so sehen. Für uns bleibt die Hauptaufgabe, dieses lebende Denkmal zu bewahren.

sueddeutsche.de: Sie haben den Gropius-Bau mühevoll restaurieren lassen ... (dann weiter mit Frage zwei)

Mit Dank an Maximilian.

Nachtrag, 14.45 Uhr: sueddeutsche.de hat sich konsequent für die Welterbe-Variante entschieden.