Schwule Lehrer

Endlich tut einmal jemand was gegen den Skandal, dass sogar Schwule, die ihre Perversion demonstrativ zur Schau stellen, einfach unsere Kinder unterrichten dürfen! Abnormale Lehrer können jetzt der „Bild“-Zeitung gemeldet werden, die sich dann um die Sache kümmert.

Ganz so unverblümt ist die neue Aktion Pranger von „Bild“ natürlich nicht organisiert. Vorgeblicher Anlass ist der Auftritt eines Berliner Lehrers in der ARD-Show „Das Quiz“, in der er die Frage „Was wird mithilfe von Lackmus-Papier bestimmt?“ falsch mit „Cholesterinwert“ beantwortete, was ihn in den Augen der „Bild“-Zeitung von gestern zum „total blamierten“ „Depp-Lehrer“, zum „Ahnungslosen“ und zum „Skandal-Lehrer“ macht. Wobei in dem Artikel dezent die Grenzen verwischen, worin genau der Skandal besteht: In der falschen Antwort oder in der Tatsache, dass der Lehrer schwul ist, eine Punk-Frisur trägt und sich geschminkt hat, bevor er ins Fernsehen gegangen ist.

Das ist ein Berliner Lehrer

steht in großen, fassungslosen Buchstaben über dem androgynen Gesicht des Kandidaten. Immer wieder betont der Artikel, dass der Referendar Alexander G. einen Freund hat und Augen und Lippen geschminkt sind.

Der junge Mann ist Berliner Lehrer! Er darf Kinder unterrichten!

In der Druckausgabe wird ihm auch noch Schwänzen vorgeworfen:

Unfaßbar, daß so ein Ahnungsloser unsere Kinder unterrichtet. Eigentlich — wie BILD erfuhr — ist er seit vier Wochen krank geschrieben!

Später „erfuhr“ „Bild“ noch eine Information, die es allerdings nur in die Online-Version der Geschichte geschafft hat:

Immerhin: Die Sendung wurde vorher aufgezeichnet.

„Immerhin“: Irgendwer bei „Bild“ hat gemerkt, dass das in diesem Zusammenhang kein ganz unwesentliches Detail ist.

Heute dreht „Bild“ die Geschichte weiter, und die Sache mit der falschen Antwort taucht nur noch in einem einzigen Satz am Rande auf. Wohin die Reise geht, macht die Überschrift neben einem weiteren Bild des Lehrers klar:

Kein Wunder, daß wir bei der PISA-Studie ganz hinten liegen…
Warum darf so ein Lehrer unsere Kinder unterrichten?

Weiter im Text:

Wie BILD erfuhr, tritt der Punk-Lehrer in seiner Freizeit bundesweit auch als Travestiekünstler „Loulou La Rouge“ in Frauenkleidern auf! Warum darf so ein schriller Typ Kinder unterrichten?

Warum nicht, könnte man zurückfragen, aber das haben die Beschützer „unserer“ Kinder, die „Bild“ zitiert, natürlich nicht getan:

„In diesem speziellen Fall ist es ein schlechtes Image für die Schule, die Grenze der Individualität scheint hier überschritten.“

„Durch dieses Auftreten wird der Schulfrieden massiv gestört. In jeder Firma würde dieser Mann umgehend gefeuert!

„Ein Lehrer muß nicht täglich im Anzug zum Unterricht kommen. Aber eine saubere Jeans und ein gebügeltes Hemd sollten schon sein.“

(Dass der Referendar seine Hemden nicht bügelt oder die Jeans nicht wäscht, hatte bislang nicht einmal „Bild“ behauptet.)

Also, klar ist: Solche Lehrer gehören ins Kino, aber nicht in die Schulen. Und deshalb endet der Artikel mit dem folgenden Aufruf:

Haben Sie auch so einen schrillen Typen an der Schule? Kennen Sie Lehrer, die sich gehen lassen?

Dann schreiben Sie an:

BILD Zeitung
Redaktion Nachrichten
Stichwort: „Lehrer“
Axel-Springer-Platz 1
20350 Hamburg

Und wenn einer von den so Vorgeführten dann seine Existenz verliert oder sich etwas antut, wird „Bild“ in seiner ausführlichen Nachberichterstattung zu mehr Toleranz aufrufen. Versprochen!