Sterbehelfer wehrt sich in „Bild“ gegen „Bild“

„Bild“ druckt ja angeblich Gegendarstellungen, bei denen „das Recht der Gegendarstellung im Kern mißbraucht wird“, gerne. Noch lieber als Gegendarstellungen zu drucken, sucht „Bild“ sie jedoch zu vermeiden – insbesondere dann, wenn durch sie das Recht der Gegendarstellung im Kern nicht mißbraucht würde.

Am 5. Juli hatte „Bild“ in einem großen Artikel über Sterbehilfe in Deutschland auch ein wenig über Sterbehilfe in der Schweiz berichtet.

Genauer gesagt: „Bild“ hatte implizit behauptet, die Schweizerische Sterbehilfe-Organisation Dignitas leiste „AKTIVE“ Sterbehilfe. Und „Bild“ hatte geschrieben, eine Krebspatientin aus Deutschland, die sich von Dignitas beim Sterben helfen ließ, sei „erst nach 38 Minuten Höllenqualen“ gestorben und habe immer wieder geschrien „Ich verbrenne! Ich verbrenne!“ Das ist gänzlich unbewiesen und wird vom Dignitas-Chef Ludwig A. Minelli seit langem bestritten (wir berichteten).

Heute druckt „Bild“ (in einem Kasten neben einer Geschichte über Oswalt Kolles Einstellung zur Sterbehilfe) unter der Überschrift „Wann ist Sterbehilfe strafbar?“ ein Interview mit Dignitas-Chef Ludwig A. Minelli.

Darin antwortet Minelli auf die „Bild“-Frage, „Was ist aktive Sterbehilfe, was passive Sterbehilfe?“:

„(…) Dignitas assistiert Menschen lediglich bei ihrem frei gewählten Suizid. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass der Mensch schmerzfrei und in Würde sterben kann. Deswegen wehren wir uns auch gegen Behauptungen, eine Krebspatientin habe beim von uns begleiteten Suizid geschrien, sie würde verbrennen. Bei uns ist jeder der bisher mehr als 900 Suizide völlig schmerzfrei und in Würde erfolgt.“

Das klingt nicht nur wie eine Richtigstellung des „Bild“-Artikels vom 5. Juli, im Prinzip ist es das auch.

Minelli sagt uns auf Anfrage:

„Wir haben nach der ‚Bild‘-Berichterstattung unseren Anwalt in Berlin eingeschaltet. Der hat verlangt, dass sie richtiggestellt wird. ‚Bild‘ hat daraufhin das Angebot gemacht, das als Interview in einem Kasten neben der Oswalt-Kolle-Geschichte zu machen. Damit war ich einverstanden.“